krebs Prostata 17 antworten. Hilfen. PersPektiven.

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17
Die blauen Ratgeber
Prostata
Krebs
Antworten. Hilfen. Perspektiven.
Prostatakrebs 1
Herausgeber
Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstr. 32
53113 Bonn
Telefon: 02 28 / 7 29 90-0 E-Mail: [email protected]: www.krebshilfe.de
Medizinische Beratung
Prof. Dr. med. M. Hohenfellner
Direktor der Urologischen Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Dr. med. T. Höfner
Urologische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Prof. Dr. med. Dr. h.c. H. Rübben
Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie,
Kinderurologie und Urologische Onkologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen
Dr. med. M. Schenck
Klinik und Poliklinik für Urologie,
Kinderurologie und Urologische Onkologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen
Prof. Dr. Th. Küchler
Referenzzentrum Lebensqualität in der Onkologie
Klinik für allg. Chirurgie und Thoraxchirurgie
UKSH, Campus Kiel
Arnold-Heller-Str. 7
24105 Kiel
Prof. Dr. med. M. Bamberg
Direktor der Klinik für Radioonkologie
Universitätsklinikum Tübingen
Radiologische Universitätsklinik
Hoppe-Seyler-Str. 3
72076 Tübingen
Kapitel Kontinenztraining
W. Ide
Leiter der physiotherapeutischen Abteilung
Klinik Wildetal
Mühlenstr. 8
34537 Bad Wildungen
PD Dr. med. W. Vahlensieck
Chefarzt der Abteilung Urologie / Onkologie
Klinik Wildetal
Mühlenstr. 8
34537 Bad Wildungen
Dr. med. A. Kollias
Direktor der Klinik für
Urologie und Kinderurologie
Ammerland-Klinik GmbH
Lange Str. 38
26655 Westerstede
Text und Redaktion
Isabell-Annett Beckmann
Deutsche Krebshilfe
Stand 7 / 2011
ISSN 0946-4816
Art.-Nr. 017 0071
Dieser blaue Ratgeber ist Teil einer Broschürenserie, die sich an KrebsBetroffene, Angehörige und Interessierte richtet. Die Broschüren dieser
Reihe informieren über verschiedene Krebsarten und übergreifende
Themen der Krankheit.
Die blauen Ratgeber geben ANTWORTEN auf medizinisch drängende
Fragen. Sie bieten konkrete HILFEN an, um die Erkrankung zu bewältigen. Und zeigen PERSPEKTIVEN auf für ein Leben mit und nach Krebs.
Inhalt
Vorwort 4
Einleitung 7
Prostatakrebs – Warum entsteht er? 9
Früherkennung 12
Krebs-Früherkennungsuntersuchung 12
Besonderheiten 17
Der Körper sendet Alarmsignale 19
Untersuchungen bei Verdacht (Diagnostik) 20
Untersuchungen, die klären sollen,
ob überhaupt ein Karzinom vorliegt 22
Ihrer Krankengeschichte (Anamnese) 22
Tastuntersuchung 22
Blutuntersuchung 22
Biopsie 23
Untersuchungen, wenn ein Karzinom festgestellt worden ist 27
Ultraschalluntersuchung (Sonographie) 30
Laboruntersuchungen 31
Computertomographie (CT) 31
Kernspintomographie (MRT) 32
Skelettszintigramm 32
Klassifikation des Tumors 33
Die Therapie von Prostatakrebs 37
Die Operation 39
Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen? 42
Kältetherapie und HIFU-Therapie 46
Die Strahlentherapie 46
Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen? 50
Kontrolliertes Zuwarten (watchful waiting) 53
Aktive Überwachung (active surveillance) 53
Die Hormontherapie 54
Nebenwirkungen der Hormontherapie
und deren Behandlung 58
Die Chemotherapie 59
Behandlung in späten Erkrankungsstadien 61
Operative Maßnahmen, gezielte Strahlentherapie 61
Radionuklidbehandlung 61
Unterstützung des Knochens bei Knochenmetastasen 61
Tun Sie etwas für sich 63
Tumornachsorge 72
Welche Untersuchungen werden durchgeführt? 75
Hier erhalten Sie Informationen und Rat 78
Informationen im Internet 83
Erklärung von Fachausdrücken 88
Anhang 99
Kontinenztraining für Männer nach Prostata-Entfernung 99
Die Übungen in der Praxis 101
Quellenangaben 109
Informieren Sie sich 113
Sagen Sie uns Ihre Meinung 116
4 Prostatakrebs
Prostatakrebs 5
Vorwort
sieht. Abschließend informieren wir Sie über konkrete Hilfsangebote durch die Deutsche Krebshilfe.
Diese Broschüre kann und darf den persönlichen Kontakt zum
Arzt, Psychologen oder Sozialarbeiter nicht ersetzen. Sie soll
Ihnen aber dabei helfen, mehr über Ihre Erkrankung und deren
Behandlung zu erfahren, und Ihnen die Möglichkeit bieten,
Antworten auf einige Fragen nochmals in Ruhe nachlesen zu
können. Die Tatsache, an einer bösartigen Erkrankung zu leiden,
ist für niemanden leicht zu verkraften. Doch Ihre Ängste und Befürchtungen können abnehmen, wenn Sie wissen, was mit Ihnen
geschieht. Helfen Sie mit, Ihre Krankheit aktiv zu bekämpfen!
Liebe Leserin, lieber Leser,
Prostatakrebs. Eine Diagnose, die Angst macht. Die von Trauer,
manchmal Wut und oft Hilflosigkeit begleitet wird. Eine Krankheit, die den Betroffenen selbst, aber auch ihren Familien und
Freunden das Gefühl gibt, allein zu sein.
In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch- Instituts Berlin jährlich über 64.000 Männer neu an Prostatakrebs. Er ist damit die häufigste Krebsart beim Mann.
Die vorliegende Broschüre soll Ihnen zunächst einige grundlegende Informationen darüber geben, wie die Prostata aufgebaut
ist. Anschließend beschreiben wir Risiken, die die Entstehung
von Prostatakrebs fördern können. Dann erläutern wir, welche
Möglichkeiten es gibt, Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen.
Denn: Die Heilungschancen der betroffenen Männer sind sehr
gut, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Fachleute
rechnen bei einer optimalen Behandlung sogar mit einer normalen Lebenserwartung für den Patienten. Daher hat der Gesetz­
geber für Männer ab 45 Jahren die kostenlose Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs eingeführt. Diese ist jedoch
nicht unumstritten. Weitere Informationen sowie die Empfehlung
der Experten der Deutschen Krebshilfe finden Sie ab Seite 12
dieser Broschüre.
Besteht bei Ihnen aber der Verdacht, dass Sie an Prostatakrebs
erkrankt sind, möchten wir Sie im medizinischen Teil ausführlich
darüber informieren, was Sie bei der Diagnostik erwartet, welche
Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Nachsorge aus-
Wir hoffen, dass wir Sie mit diesem Ratgeber dabei unterstützen
können, das Leben mit Ihrer Erkrankung zu bewältigen, und wünschen Ihnen alles Gute. Darüber hinaus helfen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Krebshilfe auch gerne
persönlich weiter. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie uns an!
Ihre
Deutsche Krebshilfe
Eine Bitte in
eigener Sache
Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Broschüre helfen können.
Bitte geben Sie uns Rückmeldung, ob uns das auch wirklich
­ge­lungen ist. Auf diese Weise können wir den Ratgeber immer
weiter verbessern. Bitte füllen Sie den Fragebogen aus, den Sie
am Ende der Broschüre finden. Vielen Dank!
Prostatakrebs 7
Die inneren und
äußeren Geschlechts­
organe des Mannes
EINLEITUNG
Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes.
Wie ist sie aufgebaut? Welche Aufgaben hat sie?
Männliches Fortpflanzungsorgan
Wir möchten Ihnen zu Beginn ein paar Informationen über Lage,
Bau und Funktion der Prostata geben. Manche Warnsignale, die
der Körper Ihnen gibt, lassen sich aus diesen anatomischen Gegebenheiten erklären.
Beim Mann unterscheidet man ebenso wie bei der Frau zwischen
den äußeren und den inneren Geschlechts­organen. Zu den äußeren männlichen Geschlechtsorganen gehören Penis und Hodensack mit Hoden und Neben­hoden, zu den inneren Geschlechts­
organen zählen Samenleiter, Samenbläschen und Prostata.
Nieren
Harnleiter
Harnblase
Prostata
Harnröhre
Hoden
Penis
Anatomische
­Besonderheiten
Die Prostata ist eine Drüse von der Größe einer Walnuss. Bei
­einem zwanzigjährigen Mann wiegt sie etwa 20 Gramm. Sie
gehört zu den männlichen Fortpflanzungsorganen und liegt vor
dem Mastdarm – eine Tatsache, die bei der Tastuntersuchung
der Prostata ausgenutzt wird – und unterhalb der Blase. Die
­Prostata umschließt die männliche Harnröhre, die den Urin von
der Harnblase durch den Penis bis zur Eichel leitet.
Das Organ besteht aus einer sich bäumchen­artig verzweigenden
Drüse, wird aber auch von Bindegewebe und Muskulatur durchsetzt, die die Entleerung der Drüsenflüssigkeit ermöglicht. Diese
Drüsenflüssigkeit dient als Transport- und Aktivierungsmittel
für die ­Samen­fäden. Die Samenflüssigkeit tritt über den Samenhügel in die Harnröhre ein. Beim Samenerguss (Ejakulation)
gelangen gespeicherte Samenfäden mit der Drüsenflüssigkeit
8 Prostatakrebs
Prostatakrebs 9
der Prostata in die Harnröhre und werden vom Blasenhals in
Richtung Penis und Eichel geschleudert. Die Kreuzung der Harnund Samenwege in der Prostata erklärt, warum es bei Erkrankungen dieses Organs zu Störungen des ­Urintransportes und beim
­Samenerguss kommt.
Die Prostata wird in verschiedene Zonen eingeteilt; am wichtig­
sten ist die Unterscheidung zwischen der äußeren und der inneren Zone. Am häufigsten entstehen Karzinome in der äußeren
(peripheren) Zone.
PSA
Darüber hinaus produziert die Prostata eine Substanz, die
den Samen verflüssigt. Diese Substanz heißt PSA (Pro­stataspezifisches Antigen) und wird nur in der Vorsteherdrüse gebildet. Diesen Umstand kann die Prostata­karzinom-Früherkennung,
wie wir im Folgenden sehen werden, nutzen.
Prostatakrebs –
warum entsteht er?
In Deutschland erkranken etwa 64.000 Männer jährlich neu an
­Prostatakrebs. Damit gehört das Prostatakarzinom zur häufigsten
Krebs­erkrankung des Mannes. Besondere Risikofaktoren sind das
­steigende Alter, bestimmte Ernährungsweisen und eine familiäre
­Belastung. Testosteron und häufiger Geschlechtsverkehr haben
­dagegen keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko.
Warum Prostatakrebs entsteht, darüber herrscht noch weit­
gehend Ungewissheit.
Wurde früher angenommen, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron zu Prostatakrebs führen kann, so ist diese
Ansicht heute nicht mehr haltbar. Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Blutspiegel an Testosteron keinen Einfluss auf das
Risiko hat, an Prostatakrebs zu erkranken.
Harnleiter
Harnblase
Prostata
Harnröhre
Penis
Die Prostata und benachbarte Organe
Einfluss von
Testosteron
Richtig ist hingegen, dass, wenn ein Patient an Prostatakrebs
leidet, der Krebs Testosteron-abhängig wächst. Vereinfacht gesagt: Liegt kein Prostatakrebs vor, ist Testosteron ein wichtiges
Hormon, das sich unter anderem auf das sexuelle Verlangen
(Libido), die Muskelkraft und die Knochen des Mannes auswirkt
und kein erhöhtes Risiko für die Krebsentstehung darstellt. Ist
ein Mann jedoch an Prostatakrebs erkrankt, so ist Testosteron
eher schädlich, wobei man heute davon ausgeht, dass dies nur
bei bestimmten Blutspiegelwerten der Fall ist.
10 Prostatakrebs
Prostatakrebs 11
Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass möglicherweise
ein Zusammenhang zwischen Entzündungsprozessen im Körper
und Prostatakrebs bestehen könnte. Näheres ist noch nicht
bekannt. Es wurden ­jedoch verschiedene Gene identifiziert, die
sowohl bei Entzündungsprozessen als auch bei Prostatakrebs
vermehrt aktiviert werden.
Essen Sie wenig
Fleisch und Wurst
Häufiger Geschlechtsverkehr wirkt sich nicht auf die Entstehung
von Prostatakrebs aus.
wPräventionsrat-
Prostatakrebs
kann erblich sein
Genveränderungen auf dem ersten Chromosom können das
Auftreten der Krankheit begünstigen. Wenn einer oder sogar
mehrere Ihrer männlichen Blutsverwandten – also Ihr Großvater,
Vater, Onkel oder Bruder – daran erkrankte(n), besteht für Sie
ein erhöhtes Risiko, auch Prostatakrebs zu bekommen, und zwar
in einem früheren Lebensalter. Bitte überlegen Sie außerdem,
ob weibliche Vorfahren wiederholt an Brustkrebs erkrankt sind,
denn dann steigt für Sie als männlicher Nachfahre das Prostatakrebs-Risiko ebenfalls an. Allerdings soll an dieser Stelle auch
darauf hingewiesen werden, dass nur ein relativ kleiner Teil aller
Prostatakarzinome familiär gehäuft auftritt.
Risikofaktor Alter
Unumstritten ist das steigende Alter als Risikofaktor. Daraus
leitet sich aber auch das eigentümliche Problem dieses häufigen
Tumors ab: Schon in den Vorsteherdrüsen beim jüngeren Mann
gibt es mikroskopisch kleine Krebsherde, die auch mit fortschreitendem Alter im Ruhezustand (Latenzstadium) verharren.
Lediglich bei einer vergleichsweise geringen Zahl von Männern
entsteht aus diesem latenten Stadium ein Prostatakarzinom, das
behandelt werden muss.
Darüber hinaus haben Sie es bis zu einem gewissen Grade selbst
in der Hand, das Risiko für eine Prostatakrebserkrankung zu
verringern. Denn neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt,
geber Gesunden
Appetit!
dass die Ernährung, das Körpergewicht und die regelmäßige
körperliche Bewegung bei der Vorbeugung (Prävention) von
Prostatakrebs eine wesentliche Rolle spielen. Legen Sie bei der
Ernährung besonderen Wert auf eine gesunde Kost mit viel Obst
und Gemüse und wenig tierischen Fetten aus Fleisch und Wurst.
Ausführliche Hinweise und Informationen über Möglichkeiten der Krebs-Prävention durch gesunde Ernährung enthält die
­Broschüre „Gesunden Appetit! – Vielseitig essen – gesund
­leben“ der Deutschen Krebshilfe (Bestelladresse Seite 79).
12 Prostatakrebs
Prostatakrebs 13
Früherkennung
Die Früherkennung spielt die wichtigste Rolle im Kampf gegen den
Prostatakrebs. Mit Früherkennung ist dabei gemeint, dass eine Krankheit entdeckt und erkannt wird, bevor sie Beschwerden verursacht.
Allerdings sind dafür regelmäßige Kontrollen, das heißt etwa alle ein
bis zwei Jahre, notwendig.
Digital-rektale
­Tastuntersuchung
Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Männern ab 45 Jahren
einmal jährlich eine digital-rektale Tastuntersuchung an. Dabei
untersucht der Arzt die Genitalien und tastet die Prostata durch
den Darm ab. Es gibt seltene Tumoren, die kein Prostata-spezifisches Antigen (PSA) produzieren und die nur durch die Tastuntersuchung zu finden sind. Diese Tumoren sind allerdings oft
besonders aggressiv.
Risiken und
­Nebenwirkungen
Die Tastuntersuchung ist schmerzfrei und risikolos. Sie müssen
gegebenenfalls ein gewisses Schamgefühl überwinden. Tumoren, die durch einen auffälligen Tastbefund der Prostata nach­
gewiesen werden, sind in aller Regel weiter fortgeschritten als die mittels PSA-Test entdeckten: Mehr als zwei Drittel der ge­
fundenen Tumoren überschreiten bereits die Organgrenzen und haben dadurch eine deutlich schlechtere Heilungswahrscheinlichkeit.
PSA-Test
Der PSA-Test ist eine Blutprobe. Gemessen wird das Prostataspezifische Antigen, ein Eiweißstoff, der ausschließlich von der
Prostata gebildet wird und in verschiedenen Situationen erhöht
ist (gutartige Prostatavergrößerung, Prostataentzündung, Prostatakrebs). Ein aggressives behandlungspflichtiges Prostatakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass es wächst und somit auch
zu einem ansteigenden PSA-Wert führt.
Zwar können Früherkennungsuntersuchungen Sie nicht vor dem
Ausbruch der Krankheit schützen, aber:
Bei der regelmäßigen Kontrolle besteht die Chance, dass ein entstehender Krebs so rechtzeitig erkannt wird, dass er behandelt
und geheilt werden kann, bevor er sich ausbreitet und lebens­
bedrohlich wird.
Ein frühzeitig entdecktes Prostatakarzinom hat hohe Heilungschancen – Fachleute rechnen bei optimaler Behandlung mit einer
normalen Lebenserwartung der Betroffenen.
Krebs-Früherkennungsuntersuchung
Wichtigstes Ziel der Prostatakrebs-Früherkennung ist es, die
Zahl tumorbedingter Todesfälle zu senken. Des Weiteren können
durch eine frühzeitige Diagnose die erheblichen Beschwerden,
die fortgeschrittene Tumorstadien verursachen, vermindert werden. Ebenso kann bei frühzeitiger Entdeckung kleiner Tumoren
oftmals weniger ausgedehnt operiert werden und die medikamentöse Behandlung schonender erfolgen.
Die tumorfreien Zehn-Jahres-Überlebensraten nach Operation
oder Strahlentherapie liegen für frühe Tumorstadien bei mehr
als 80 Prozent. Potenzerhaltende Operationen sind nur in frühen
Tumorstadien möglich.
Die PSA-gestützte Früherkennung und anschließende Therapie
des Prostatakarzinoms ist prinzipiell in der Lage, die Sterblichkeit durch Prostatakrebs zu senken. Dies zeigen die Ergebnisse
einer großen europäischen Studie. Bei Männern, die aufgrund
14 Prostatakrebs
Prostatakrebs 15
ihres Alters noch eine statistische Lebenserwartung von zehn
Jahren oder mehr haben, kann die Sterblichkeit durch Prostatakrebs gesenkt werden, wenn bei ihnen ein Prostatakarzinom
früh entdeckt wird.
Risiken und
­Nebenwirkungen
gestützten Früherkennung überwiegen. Aus diesem Grund ist der PSA-Test nicht im gesetzlichen Krebs-Früherkennungs­
programm enthalten.
Um dem Problem der Überdiagnose zu begegnen, wird in der
neuen Prostatakarzinom-Leitlinie eine differenzierte Früher­
kennungsstrategie empfohlen. Diese sieht eine Basismessung
des PSA-Wertes im Alter von 40 Jahren und regelmäßige Folgemessungen vor. Besonders denjenigen Männern wird zu einer
Ge­webeprobe (Biopsie) geraten, bei denen ein Anstieg des
PSA-Wertes um mehr als 0,5 ng / ml pro Jahr festgestellt wurde.
Somit werden die meisten „schlafenden“ Prostatakarzinome
nicht mehr biopsiert, besonders aggressive Tumoren hingegen
schon vor dem Erreichen des ehemaligen PSA-Grenzwertes von
4,0 ng / ml erkannt. Es ist plausibel, dass diese Strategie das
Problem der Überdiagnose verringern kann – ob dadurch auch
die Sterblichkeit an Prostatakrebs gesenkt werden kann, ist
­derzeit noch nicht erwiesen.
Der Nutzer erfährt bei einem erhöhten PSA-Wert lediglich, dass
er zu einer Risikogruppe gehört, für die sich eine weitergehende
Abklärung durch eine Gewebeprobe lohnen könnte. Von 1.000
– meist mehrfach – getesteten Männern im Alter von 50 bis 70
Jahren liegen die PSA-Werte bei etwa 200 Männern im abklärungspflichtigen Bereich. Bei rund 50 dieser Männer, die zur
Abklärungsdiagnostik gehen, findet sich in der Gewebeprobe
ein Prostatakarzinom. Bei weniger als zehn von 1.000 Männern
kommt es durch eine Prostata-Biopsie zu schwerwiegenden
Komplikationen (Blutungen und Entzündungen).
Ein wesentliches Problem der Prostatakrebs-Früherkennung
besteht in der so genannten Überdiagnose und Übertherapie.
Denn nicht jeder frühzeitig entdeckte Tumor hätte ohne Früherkennung und ohne frühzeitige Behandlung auch zum Tod des
Betroffenen geführt. Bei günstiger Situation kann es ausreichen,
die Tumorentwicklung abzuwarten und erst dann eine Therapie
einzuleiten, wenn die Erkrankung nachweislich fortschreitet.
Das Ausmaß der mit dem PSA-Test einhergehenden Übertherapie ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Denn durch die
Überdiagnose und Übertherapie werden möglicherweise Männer
behandelt, bei denen dies gar nicht nötig gewesen wäre. Diese
Behandlung kann mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit der betroffenen Männer einhergehen.
Die vorliegenden Studien erlauben es derzeit nicht, den Um- fang der mit der Früherkennung einhergehenden Übertherapie zu ­berechnen. Damit kann zurzeit nicht ausreichend quantifi- ziert werden, ob der Nutzen oder mögliche Schäden der PSA-­
Die Deutsche
Krebshilfe rät
Aus Sicht der Deutschen Krebshilfe ist nach allen vorliegenden
Daten die digital-rektale Tastuntersuchung für Männer ab 45
­Jahren als alleinige Prostatakrebs-Früherkennungsmaßnahme
nicht in der Lage, die Zahl tumorbedingter Todesfälle zu reduzieren. Auch für den PSA-Test ist das Verhältnis von Nutzen und
Schaden bislang nicht ausreichend bekannt.
Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt Männern ab 40 Jahren, sich
umfassend über die Prostatakrebs-Früherkennung zu informieren und im Rahmen einer Beratung mit ihrem Arzt selbst zu entscheiden, ob sie einen PSA-Test nutzen wollen.
Die Nutzung des PSA-Tests, der nicht im gesetzlichen KrebsFrüherkennungsprogramm enthalten ist, sollte nur im Rahmen
einer differenzierten Früherkennungs-Strategie erfolgen. Danach
16 Prostatakrebs
Prostatakrebs 17
Besonderheiten
sollte eine mutmaßliche Lebenserwartung von mehr als zehn
Jahren gegeben sein und der Arzt den Verlauf der PSA-Werte
über Jahre hinweg verfolgen.
PCA-3-Test
Im Zusammenhang mit dem PSA-Wert wird derzeit ein neuer
Marker beworben – der so genannte Prostate Cancer Gene 3
(PCA3) Assay –, der hier zuverlässigere Ergebnisse erbringen
soll. Dieser Wert wird aus dem Urin des Betroffenen bestimmt.
Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren auch diese Unter­
suchung nicht.
In der Tat kann ein erhöhter PCA-3-Wert, der größer als 35 ist,
mit einer größeren Wahrscheinlichkeit verbunden sein, dass
bei der wiederholten Prostatabiopsie wirklich ein Prostatakrebs
festgestellt wird, auch wenn die erste Biopsie ein negatives Ergebnis hatte.
Allerdings ist dieser Test nicht empfindlich und speziell genug,
um zuverlässige und eindeutige Ergebnisse zu erbringen. Ein
erhöhter PCA-3-Test ist somit nicht gleichbedeutend mit der Diagnose Krebs, sondern kann – ebenso wie der PSA-Wert selbst
– nur auf das Vorliegen eines Prostatakrebses hinweisen. Falsch
positive Ergebnisse sind ebenso möglich wie falsch negative.
Weitere Untersuchungen in der Zukunft müssen beweisen, ob
der PCA-3-Test ähnlich wie der PSA-Test größere Bedeutung als
Untersuchungsmarker erhalten wird. Zahlreiche Wissenschaftler
arbeiten währenddessen weiter daran, möglichst genaue Marker
für Prostatakrebs zu entwickeln.
Zufallskarzinom
Stummes Karzinom
Zwei Eigentümlichkeiten des Prostatakrebses sind wichtig. Zum
einen gibt es Karzinome, die in der Übergangszone entstehen,
also in dem Bereich des Organs, der sich mit zunehmendem Alter
zur gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyper­
plasie – BPH) umwandelt. Karzinome dieser Übergangszone
werden meist zufällig bei der Operation der gutartigen Vergrößerung entdeckt und dementsprechend auch als Zufallskarzinom
(inzidentielles Karzinom) bezeichnet.
Zum anderen gibt es das so genannte stumme (latente) Prostatakarzinom, das dem Mann zu Lebzeiten keinerlei Beschwerden
verursacht und auch nicht gesundheitsgefährdend ist. Durch
systematische Untersuchungen der Vorsteherdrüsen verstorbener Männer stellte man fest, dass etwa 30 Prozent der über
50-Jährigen ein solch stummes Prostatakarzinom in sich tragen.
Kritiker der Früherkennungsuntersuchungen meinen, dass durch
den Einsatz des PSA-Wertes stumme Prostatakarzinome unnötigerweise aufgedeckt würden. Durch die Diagnose „Prostata­
karzinom” setze man die betroffenen Männer einer ungerechtfertigten psychischen Belas­tung aus. Außerdem bestehe die
Gefahr, dass diese – eigentlich nicht behandlungsbedürftige –
Erkrankung dann doch behandelt würde.
Anhand des PSA-Wertes, vor allem im Verlauf des histologischen
Untersuchungsbefundes der entnommenen Gewebeproben und
unter Berücksichtigung des Alters und Allgemeinzustandes des
Mannes, lässt sich das ­Risiko einer unnötigen Behandlung nach
Ansicht von Experten jedoch deutlich senken.
18 Prostatakrebs
Prostatakrebs 19
Die gesetzlichen Krankenkassen haben diese Unter­suchung
bisher nicht in das Programm der gesetzlichen Krebs-Früherkennung aufgenommen.
Außerdem ist die Wissenschaft gefordert, die Methoden der
Prostatakrebs-Früherkennung weiter zu verfeinern. In diesen
Prozess bringt die Deutsche Krebshilfe sich mit ihrem Fachausschuss ‘Krebs-Früherkennung’ intensiv ein.
Der Körper sendet Alarmsignale
Prostatakrebs verursacht anfangs keine Beschwerden, sondern erst
später, wenn der Tumor eine bestimmte Größe überschritten hat.
Wir haben Ihnen bereits beschrieben, dass Früherkennungsuntersuchungen grundsätzlich wichtig sind. Für das Prostatakarzinom gilt dies in ganz besonderem Maße, denn in seinem
Anfangsstadium verursacht es keine Beschwerden. Diese treten
erst auf, wenn die Geschwulst eine kritische Größe überschritten oder aber Absiedlungen (Metastasen) in Lymphknoten oder
­Knochen gestreut hat.
Gerade weil beim Prostatakarzinom typische Symptome fehlen,
ist es für Männer so wichtig, sich über die Früherkennungsuntersuchungen zu informieren und auf ihren Körper zu achten.
Im fortgeschrittenen Stadium stellen sich bei einem Prostatakrebs folgende Symptome ein
•• Schmerzen in der Prostata
•• Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmentleerung
•• Blutbeimengung im Urin
•• „Ischias“-Schmerzen, die durch Knochenmetastasen hervorgerufen werden
20 Prostatakrebs
Prostatakrebs 21
Untersuchungen bei
Verdacht (Diagnostik)
Viele Menschen haben Angst, in eine medizinische „Mühle“ zu geraten,
wenn sie den Verdacht haben, dass sie an Krebs erkrankt sein könnten.
Deshalb schieben sie den Besuch beim Arzt immer weiter hinaus. So
verständlich diese Angst auch ist: Es ist wichtig, dass Sie möglichst bald
zum Arzt gehen. Denn je früher eine bösartige Erkrankung erkannt wird,
desto besser sind in der Regel die Heilungs- und Überlebenschancen.
Bei den Untersuchungen werden folgende Fragen geklärt
•• Haben Sie wirklich einen Tumor?
•• Ist dieser gut- oder bösartig?
•• Welche Krebsart ist es genau?
•• Wo sitzt der Tumor?
•• Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
•• Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten? Gibt es Metastasen?
•• Mit welcher Behandlung kann für Sie der beste Erfolg erreicht werden?
•• Welche Behandlung kann Ihnen zugemutet werden?
Eine Behandlung lässt sich nur dann sinnvoll planen, wenn vorher genau untersucht worden ist, woran Sie leiden.
Dabei haben alle diagnostischen Schritte zwei Ziele: Sie sollen
den Verdacht, dass Sie an Krebs erkrankt sind, bestätigen oder
ausräumen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, müssen Ihre behandelnden Ärzte ganz genau feststellen, wo der Tumor sitzt,
wie groß er ist, aus welcher Art von Zellen er besteht und ob er
vielleicht schon Tochtergeschwülste gebildet hat.
Gründliche
Diagnostik
braucht Zeit
Vertrauensvolles
Patienten-ArztVerhältnis
Ihr Arzt wird Ihnen erklären, welche Untersuchungen notwendig
sind, um die Diagnose zu sichern. Meist wird es mehrere Tage
oder sogar Wochen dauern, bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Werden Sie dabei nicht ungeduldig, denn je gründlicher
Sie untersucht werden, desto genauer kann die weitere Behandlung auf Sie zugeschnitten werden. Auf den folgenden Seiten
beschreiben wir die gängigsten Untersuchungsverfahren und
erklären ihre Bedeutung.
Sind die Untersuchungen beendet und alle Ergebnisse liegen vor,
muss entschieden werden, wie es weitergeht. Ihr Arzt wird Ihnen
genau erklären, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wie
sich die Behandlung auf Ihr Leben auswirkt und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Die endgültige Entscheidung
über Ihre Behandlung werden Sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten treffen. Dabei ist es von Anfang an wichtig, dass
sich ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis entwickelt.
Fühlen Sie sich allerdings bei Ihrem behandelnden Arzt nicht gut
aufgehoben oder möchten Sie, dass ein anderer Arzt die vorgeschlagene Behandlung bestätigt, dann scheuen Sie sich nicht,
eine zweite Meinung bei einem anderen (Fach-)Arzt einzuholen.
22 Prostatakrebs
Prostatakrebs 23
Untersuchungen, die klären sollen, ob überhaupt
ein Karzinom vorliegt
Ihre Krankengeschichte (Anamnese)
In einem ausführlichen Gespräch wird der Arzt sich mit Ihnen
über Ihre aktuellen Beschwerden und deren Dauer, über Vor- und
Begleiterkrankungen und eventuelle Risikofaktoren (vergleiche
dazu Seite 9) unterhalten.
Vielleicht machen Sie sich vor dem Arztbesuch schon ein paar
Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken. Schildern Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen.
Sagen Sie ihm auch, ob Sie Medikamente einnehmen und welche
dies sind. Jede Ihnen noch so unwichtig erscheinende Einzelheit
kann für Ihren Arzt eine wichtige Information sein.
Wenn bei Ihnen Symptome vorliegen, die den Verdacht auf Prostatakrebs nahe legen, sollte Ihr Arzt weitere Untersuchungen
veranlassen, um eine sichere Diagnose zu bekommen.
Tastuntersuchung
Vom Mastdarm (rektal) aus tastet der Arzt die Vorsteherdrüse
ab und überprüft, ob sich in der Prostata eine Veränderung ge­
bildet hat.
Blutuntersuchung
Die Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) kann
einen weiteren Hinweis darauf geben, ob die Veränderung in der
Prostata gut- oder bösartig ist. PSA-Werte sind auch im weiteren
Verlauf der Diagnostik noch von Bedeutung.
Gewebe wird
­untersucht
Biopsie
Haben die ersten Untersuchungen (Tastbefund und PSA-Wert)
den Verdacht ergeben, dass Sie an Prostatakrebs erkrankt
sein könnten, wird Ihr Arzt Ihnen raten, eine Gewebeentnahme
(Biopsie) aus der Prostata machen zu lassen. Eine solche Gewebeentnahme kann den bestehenden Verdacht ausräumen oder
bestätigen. Im ersten Fall können Sie beruhigt wieder Ihrem Alltag nachgehen. Im zweiten Fall haben Sie die Chance, möglichst
frühzeitig eine Behandlung mit guten Heilungsaussichten be­
ginnen zu können.
Zum Beispiel: Liegt Ihr PSA-Wert über 3 bis 4 ng / ml oder hat Ihr
Arzt bei der Tastuntersuchung einen auffälligem Befund festgestellt, liegt das Risiko, dass Sie Prostatakrebs haben, bei etwa
20 Prozent. Wird bei den weiterführenden Untersuchungen dann
wirklich ein Karzinom entdeckt, befindet es sich in aller Regel
noch in einem frühen Stadium und ist in 85 Prozent der Fälle
­heilbar. Hat der PSA einen Wert von 10 ng / ml erreicht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakarzinom vorliegt. Sie
beträgt dann etwa 50 Prozent. Die Erkrankung ist meist auch
schon weiter fortgeschritten und nur noch in zirka 55 Prozent der Fälle heilbar.
Wie läuft eine Gewebeentnahme ab?
Wie Sie der anatomischen Beschreibung bereits entnehmen
konnten, ist die Prostata durch den Mastdarm aus gut zugänglich. Dieser „Weg“ wird auch für die Gewebeentnahme genutzt.
Bei der so genannten Prostatastanzbiopsie werden sehr kleine
Gewebezylinder aus der Prostata entnommen. Dabei sticht der
Arzt mit dünnen, federgetriebenen Hohlnadeln in die verschiedenen Abschnitte der Prostata ein und entnimmt Gewebezylinder.
Es sollten mindestens zwölf Proben entnommen werden. Da die
Nadel unter Spannung steht, erfolgt die eigentliche Gewebeent-
24 Prostatakrebs
Prostatakrebs 25
nahme sehr schnell und der Stich verursacht praktisch keinen
oder nur geringen Schmerz.
Damit der Arzt die Nadel an die richtigen Stellen dirigieren kann,
entnimmt er das Gewebe „unter Ultraschallsicht“. Das bedeutet,
dass ein Ultraschallkopf und die Biopsienadel zusammen in den
Enddarm eingeführt werden und der Arzt auf dem Bildschirm des
Ultraschallgerätes verfolgt, wo die Nadel sich befindet.
Blase
Harnröhre
Prostata
Samenleiter
Penis
Hoden
Ultraschallkopf
Biopsie- nadel
Gewebeentnahme unter Ultraschallkontrolle
Die Biopsie ist ein ungefährliches Untersuchungsverfahren. Sie
brauchen nicht zu befürchten, dass bei der Entnahme Tumor­
zellen „ausgeschwemmt“ werden, die dann Metastasen bilden.
Die Entnahme einer Gewebeprobe hat auch keinen Einfluss
darauf, dass der Tumor weiter wächst. Sie führt also auch nicht
dazu, dass ein ruhendes Karzinom zu einem bedrohlichen wird.
Auch wenn die Biopsie in der Hand eines erfahrenen Arztes ein vergleichsweise harmloser Eingriff ist, können in seltenen
Fällen Komplikationen auftreten. Ein leichtes Druckgefühl nach
der Biopsie tritt relativ häufig auf und braucht Sie nicht zu
­beunruhigen.
Da der Zugang zur Prostata durch den Enddarm erfolgt, können
durch den Stichkanal Darmkeime in die Prostata eindringen. Um einer Entzündung der Prostata vorzubeugen, werden Sie
­deshalb von Ihrem Arzt für einige Tage ein Antibiotikum verschrieben bekommen.
Sollten Sie nach der Biopsie plötzlich Fieber oder sogar Schüttelfrost bekommen, kann es sein, dass Sie trotzdem eine ProstataEntzündung haben. Bitte informieren Sie dann umgehend Ihren
Arzt, auch in der Nacht!
Wenn Sie nach der Biopsie Blutbeimengungen im Urin, auf dem
Stuhl oder im Samenerguss feststellen, braucht Sie das zunächst nicht zu beunruhigen. Dies hat seine Ursache darin, dass
die Einstiche der Biopsienadel Blutgefäße leicht verletzt haben
können. Der Körper repariert solche kleinen Verletzungen allein.
Haben Sie Blut im Urin, trinken Sie reichlich, um den Urin zu verdünnen und die Blutgerinnsel abzutransportieren.
26 Prostatakrebs
Prostatakrebs 27
Wenn diese Beschwerden länger anhalten, wenden Sie sich an
Ihren Arzt.
Das durch die Stanzzylinder gewonnene Gewebe wird eingefärbt
und mikroskopisch untersucht (histologische, das heißt feingewebliche Untersuchung). Dabei wird nicht nur nachgewiesen, ob
ein Prostatakarzinom vorliegt, sondern es wird auch der Grad
der Bösartigkeit der Geschwulst (Differenzierungsgrad, GleasonScore) festgestellt.
Je unreifer das Prostatakarzinom (anaplastisch genannt), desto
wahrscheinlicher handelt es sich um einen rasch wachsenden
und damit um einen eher gefährlichen ­Tumor.
Eventuell erneute
Biopsie
Es kann sein, dass sich bei der Untersuchung des Gewebes keine
Krebszellen nachweisen lassen. Dann wird Ihr Arzt auf jeden Fall
Ihren PSA-Wert weiterhin überwachen und Ihnen unter gewissen
Voraussetzungen empfehlen, nach sechs Monaten die Biopsie zu wiederholen.
Folgende Gründe kann es für eine solche Wiederholung der
­Untersuchung geben
•• Der PSA-Wert bleibt erhöht, und eine Behandlung mit Antibiotika, die erfolgt, um die Erhöhung des PSA-Wertes durch eine
Entzündung auszuschließen, führt nicht zum PSA-Abfall.
•• Der Pathologe konnte zwar kein Karzinom feststellen, aber
das Ergebnis ist entweder nicht sicher oder es zeigt Risikofaktoren, die eine Krebserkrankung wahrscheinlich machen,
obwohl das Ergebnis negativ ist (zum Beispiel PIN3 = hoch­
gradige intraepitheliale Neoplasie).
Sollte eine zweite Biopsie notwendig sein, sollte dabei in der
Regel mehr Gewebe als beim ersten Mal entnommen werden,
um die Trefferquote der Biopsie zu erhöhen. Einige spezialisierte
Zentren verfügen mittlerweile über weitere Methoden wie den
farbkodierten Doppler-Ultraschall, den kontrastmittelverstärkten
Ultraschall oder die Ultraschall-Elastographie. Diese zusätz­
lichen Techniken werden allerdings bislang nicht routinemäßg
empfohlen, da ihre Verwendung und ihr Nutzen bei der Biopsie
noch untersucht werden.
Untersuchungen, wenn ein Karzinom festgestellt
worden ist
Sie haben inzwischen einige ambulante Untersuchungen hinter
sich, und der Verdacht auf einen Prostatatumor hat sich bestätigt. Nun werden Sie von Ihrem Arzt an eine Klinik überwiesen,
die auf die Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs spe­
zialisiert ist.
Fragen Sie Ihren Arzt, ob Ihre Klinik wirklich qualifiziert ist, Ihre
Erkrankung zu behandeln.
In der ersten Behandlungsphase werden Sie von einer ganzen
Reihe von Ärzten betreut, denn bei einer Krebserkrankung müssen verschiedene Spezialisten Hand in Hand zusammenarbeiten.
Dazu kommen das Pflegepersonal, vielleicht auch Psychologen,
Sozialarbeiter oder Seelsorger. Nicht zuletzt werden Ihnen Ihre
Familie und Ihr Freundeskreis helfend und unterstützend zur
­Seite stehen.
Am besten suchen Sie sich aus dem Kreis der Ärzte einen heraus,
zu dem Sie das meiste Vertrauen haben und mit dem Sie alles,
was Sie bewegt und belastet, besprechen können. Dazu ge- hören auch die Entscheidungen über die verschiedenen Be­
handlungsschritte.
28 Prostatakrebs
Fragen Sie, bis Sie
alles verstanden
haben
Ihre Rechte
als Patient
Prostatakrebs 29
Lassen Sie sich die einzelnen Behandlungsschritte genau erklären und fragen Sie auch, ob es andere Möglichkeiten dazu gibt.
Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, fragen Sie nach, bis
Ihnen alles klar ist. Alle an der Behandlung beteiligten Ärzte werden dann gemeinsam mit Ihnen die für Sie am besten geeignete
Behandlungsstrategie festsetzen. Sollten Sie Zweifel haben oder
eine Bestätigung suchen, holen Sie von einem anderen Arzt eine
zweite Meinung ein.
Bundesärztekammer die „Rechte des Patienten“. Die „Patienten­
rechte in Deutschland“ der Gesundheitsminister-Kon­ferenz finden Sie unter www.kbv.de/patienteninformation/103.html.
Denn „Patienten haben ein Recht auf detaillierte Information und
Beratung, sichere, sorgfältige und qualifizierte Behandlung und
angemessene Beteiligung“, heißt es in dem Dokument „Patientenrechte in Deutschland heute“, das die Konferenz der Gesundheitsminister 1999 veröffentlicht hat.
Die Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen führen leider oft
dazu, dass für Gespräche zwischen Arzt, Patient und Angehörigen zu wenig Zeit bleibt.
Sprechen Sie mit Ihren Ärzten gegebenenfalls auch darüber, wie
sich die einzelnen Therapiemöglichkeiten auf Ihre Lebensqualität
auswirken, also auf Ihren körperlichen Zustand, ebenso wichtig
aber auf Ihr seelisches Wohlbefinden.
Setzen Sie sich energisch durch: Wenn sich Ihr Arzt nicht genug
Zeit für Sie nimmt, fragen Sie ihn, wann Sie ein ausführlicheres
Gespräch mit ihm führen können.
Je besser Sie informiert und aufgeklärt sind, desto besser ver­
stehen Sie, was mit Ihnen geschieht. So können Sie zum Partner
des Arztes werden und aktiv an Ihrer Genesung mitarbeiten.
Ihre Rechte als Patient – so sehen sie aus
Sie haben Anspruch auf
•
•
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•
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•
•
wInternetadressen
Weitere Informationen zum Thema Patientenrechte finden Sie im
Internet. Unter www.bundesaerztekammer.de veröffentlicht die
Angemessene und qualifizierte Versorgung
Selbstbestimmung
Aufklärung und Beratung
Einsicht in Ihre Krankenunterlagen
Eine zweite ärztliche Meinung (second opinion)
Vertraulichkeit
Freie Arztwahl
Dokumentation und Schadenersatz
wRatgeber
Patienten und
Ärzte als Partner
Bestimmung des
Tumorstadiums
Oft ist dies möglich, wenn der Termin zu einer anderen Uhrzeit
stattfindet, etwa am Ende der Praxiszeit. Wertvolle Tipps für
ein vertrauensvolles Patienten-Arzt-Verhältnis finden Sie in der
­Broschüre „Patienten und Ärzte als Partner – Die blauen Rat­
geber 43“ der Deutschen Krebshilfe (Bestell­adresse Seite 79).
Hat sich herausgestellt, dass Sie wirklich an Prostatakrebs erkrankt sind, dann muss das so genannte Tumorstadium genau
bestimmt werden. Um Sie nicht mehr als nötig zu belasten, können die hierzu erforderlichen Untersuchungen auf die unbedingt
notwendigen beschränkt werden.
Ergebnis der Gewebeentnahme
Wie groß die Geschwulst ist, kann der Pathologe beispielsweise
daran erkennen, wie viele der Stanzzylinder Krebsgewebe enthalten und wie das Verhältnis gut- zu bösartig in jedem einzelnen Zylinder ist.
30 Prostatakrebs
Prostatakrebs 31
Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Die Ultraschalluntersuchung hat den Vorteil, dass sie vollkommen risikolos und schmerzfrei ist und den Patienten nicht mit
Strahlen belastet.
Der Arzt hat die Vorsteherdrüse vom Mastdarm aus bereits abgetastet und muss feststellen, wie weit sich der Tumor in die Prostata ausgedehnt hat. Hier kommt die Ultraschalluntersuchung
zum Einsatz, bei der der Ultraschallkopf durch den Mastdarm an
die Prostata herangeführt wird (transrektaler Ultraschall – TRUS).
Röntgenverfahren wie die Darstellung des Nierenbeckens
­(intravenöse Pyelographie) oder Harnröhre sind selten not­
wendig, so zum Beispiel nur, wenn Blut im Urin (Hämaturie)
nachgewiesen wird.
Mit Hilfe des Ultraschalls lässt sich eine Ausdehnung des Tumors
über das eigentliche Organ hinaus (extrakapsuläre Krebsausdeh­
nung) genauer feststellen als mit dem tastenden Finger. Diese
Untersuchung wurde bereits bei der Biospie durchgeführt.
Mit der Ultraschalltechnik kann der Arzt zusätzlich in Ihren
Bauch (Abdomen) hineinsehen und innere Organe wie Leber,
Nieren, Nebennieren, Milz und Lymphknoten betrachten. Manche
Veränderungen, die er auf dem Bildschirm erkennen kann, können darauf hinweisen, dass ein Tumor vorhanden ist. Die modernen Geräte liefern gute Bilder und können auch kleine Tumoren
gut darstellen.
Allerdings können die Ultraschallwellen zum Beispiel Luft im
Darm nicht durchdringen. Deshalb ist es besser, wenn Sie am Tag vor der Untersuchung auf blähende Speisen verzichten.
­Trinken Sie am Tag des Ultraschalls auch keine Getränke mit
Kohlensäure. Dann stoßen die Ultraschallwellen nicht auf eine
„Wand“ aus Luft, sondern reichen problemlos bis zu den Organen heran. Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie nüchtern zur Untersuchung kommen sollen.
Bei der Untersuchung liegen Sie entspannt auf dem Rücken, während der Arzt mit einer Ultraschallsonde den Bauch abfährt und
die Organe auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes beurteilt.
Laboruntersuchungen
Bluttests können Aufschluss über Ihren Allgemeinzustand sowie
über die Funktionen von einzelnen Organen wie Nieren und Leber
geben. Diese Untersuchungsergebnisse können auch im Hinblick
auf die bevorstehende Therapie wichtig sein.
Bei PSA unter
10 ng / ml keine
weiteren Unter­
suchungen
Insbesondere lässt sich mit dem bereits bekannten PSA-Spiegel
bestimmen, wie weit sich die Krebserkrankung ausgedehnt hat.
Liegt der Wert unter 10 ng / ml (Nanogramm pro Milliliter), befindet sich der Krebs noch innerhalb der Prostatakapsel (lokal
begrenztes Prostatakarzinom), die Lymphknoten sind sehr selten
und die Knochen fast nie befallen (= heilbares Stadium). Das
bedeutet, dass bei diesen Männern keine weitergehenden Untersuchungen etwa mit bildgebenden Verfahren nötig sind.
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie ist ein Verfahren, mit dem Schnitt­
bilder von allen Körperregionen hergestellt werden können. Bei Patienten mit der Diagnose eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms kann auf diese Untersuchung verzichtet werden.
Nur bei einer lokal weit fortgeschrittenen Krebserkrankung oder
wenn der Verdacht besteht, dass eine Fernabsiedlung des Karzinoms vorliegt beziehungsweise der Betroffene Beschwerden
hat, kann eine Computertomographie in Einzelfällen nützliche
32 Prostatakrebs
Prostatakrebs 33
Informationen ­liefern – zum Beispiel auch bei der Planung vor
der Operation.
Kernspintomographie (MRT)
Die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie
(MRT) genannt, hat im Vergleich zur Computer­tomographie den
Vorteil, dass der Betroffene keiner Strahlenbelastung ausgesetzt ist.
Klassifikation des Tumors
Der Körper eines Menschen besteht aus sehr vielen unterschiedlichen
Geweben und Zellen. Dementsprechend unterschiedlich fällt auch das bösartige Wachstum einer Krebsgeschwulst aus. Für Ihre Be­
handlung ist es wichtig, den genauen „Steckbrief“ Ihrer Erkrankung
zusammenzustellen.
In Einzelfällen können spezielle moderne MRT-Techniken, unter
anderem dynamische MRT-Untersuchungen oder MRT-Spektroskopie der Prostata, zusätzliche Informationen auch im Hinblick
auf die operative Planung ­liefern.
Dazu gehören die Informationen darüber, zu welchem Zelltyp der
Krebs gehört, ob er bereits in Gefäße des Hodens eingebrochen
ist oder sich schon im Körper ausgebreitet hat.
Skelettszintigramm
Mit dieser Suchmethode können Tumorabsiedlungen in den Knochen (Knochenmetastasen) dargestellt werden. Hierbei handelt
es sich um ein schonendes Suchverfahren, bei dem der Patient
eine schwach radioaktive Substanz in die Ellenbeugenvene
gespritzt bekommt. Diese Substanz reichert sich vorzugsweise
in krebsbefallenen Knochen an; der Nachweis erfolgt mit Hilfe
eines speziellen bildgebenden Verfahrens.
Um den möglichen Verlauf Ihrer Erkrankung einschätzen und für
Sie eine maßgeschneiderte Behandlung festlegen zu können, ist
es sehr wichtig, diese Einzelheiten genau zu kennen.
Alle Ergebnisse werden nun dafür verwendet, das genaue Krankheitsstadium zu ermitteln (Staging, Stadieneinteilung), das die
Grundlage für die Auswahl der am bes­ten geeigneten Therapie
ergibt. Hierfür gibt es ein international einheitliches Einteilungsschema: die TNM-Klassifikation.
Bei einem PSA-Wert größer 20 ng / ml ist ein Skelettszintigramm
immer angezeigt. Liegen jedoch keine Beschwerden vor und
hat die Gewebeuntersuchung ein gut differenziertes Karzinom
ergeben, kann bei PSA-Werten unter 20 ng / ml auf ein Skelett­
szintigramm verzichtet werden. Bei schlecht differenziertem
­Prostatakrebs (vergleiche Seite 35) oder Beschwerden (Knochenschmerz) sollte immer eine Skelettszintigraphie durchgeführt
werden, unabhängig vom vorliegenden PSA-Wert.
•• T steht für die Größe des Tumors
•• N für die Zahl und Lokalisation der befallenen
Lymphknoten
•• M steht für Auftreten und Lokalisation von Fernmetastasen
in andere Organe
TNM-Klassifikation
Man verwendet deshalb auch den Begriff TNM-Klassifikation.
34 Prostatakrebs
Prostatakrebs 35
T – Primärtumor
Tx = Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0 = Kein Anhalt für Primärtumor
T1 = Der Primärtumor lässt sich nicht erkennen
T1a = Im Rahmen einer Prostataoperation wegen erschwerten
Wasserlassens findet der Pathologe im entfernten Drüsengewebe Krebsanteile in bis zu fünf Prozent
T1b = In mehr als fünf Prozent
T1c = Trotz unauffälligen Tast- und Ultraschallbefundes
übersteigt der PSA-Spiegel den Schwellenwert (meist 4 ng / ml), so dass eine Biopsie erfolgt, die Krebs nachweist
T2 = Tumor auf die Prostata begrenzt
T2a = Tumor infiltriert weniger als / höchstens halben
Prostatalappen
T2b = Tumor infiltriert mehr als halben Prostatalappen
T2c = Tumor infiltriert beide Seitenlappen
T3 = Tumor breitet sich über die Prostatakapsel aus
T3a = Ausbreitung außerhalb der Kapsel (ein- und / oder
beidseitig)
T3b = Tumor infiltriert Samenblase(n)
T4 = Tumor infiltriert benachbarte Strukturen (Blasenhals,
Äußerer Schließmuskel, Enddarm, Beckenboden- Muskulatur, Beckenwand)
N – Benachbarte (regionäre) Lymphknoten
Nx = Benachbarte Lymphknoten können nicht beurteilt
werden
N0 = Kein Anhalt für benachbarte Lymphknotenmetastasen
N1 = Befall benachbarter Lymphknoten
M – Fernmetastasen
Mx = Fernmetastasen können nicht beurteilt werden
M0 = Kein Anhalt für Fernmetastasen
M1 = Fernmetastasen
M1a = Extraregionärer Lymphknotenbefall
M1b = Knochenmetastasen
M1c = Andere Manifestation
Das Stadium T1c wird sehr häufig angetroffen; in Abhängigkeit vom PSA-Spiegel kann aber in Wahrheit das Stadium T3
­vorliegen.
Gleason-Score
Darüber hinaus hat der amerikanische Pathologe Donald F. Gleason in den siebziger Jahren ein System entwickelt, mit dem das feingewebliche Unterscheidungs- (Differenzierungs-)
und Wachstumsmuster eines Prostatakrebses beurteilt wird
(„Gleason pattern“).
Dabei werden die Zellen des Tumorgewebes daraufhin untersucht, wie sehr sie sich vom normalen Gewebe unterscheiden
(Entdifferenzierungsgrad). Dafür gibt es insgesamt fünf Stufen,
die mit den jeweiligen Punktzahlen bewertet werden. Je niedriger
der Wert ist, desto mehr ähneln die Zellen normalem Prostatagewebe; je höher der Wert ist, desto stärker unterscheiden sie sich
davon. Grundsätzlich gilt: Je mehr sich die bösartigen von den
gesunden Zellen unterscheiden, desto aggressiver ist der Tumor.
Um den Gleason-Score zu ermitteln, werden die Punktzahlen der
am häufigsten und am zweithäufigsten vorkommenden Zellen
des Tumors genommen und zusammengerechnet, zum Beispiel
(2+3) ergibt den Gleason-Score 5. Der niedrigste Malignitätsgrad
hat demnach einen Gleason-Score von 2 (1+1), der höchste einen
von 10 (5+5).
36 Prostatakrebs
Prostatakrebs 37
Die Therapie von Prostatakrebs
Normales Prostatagewebe
Drüsen gewunden und verzweigt, dazwischen Musku­
latur und Bindegewebe
Gleason Grad 1
Scharf begrenzter Knoten,
Drüsen gleichförmig, dicht
gepackt und mittelgroß
Gleason Grad 2
Nicht scharf begrenzter
Knoten, Drüsen lockerer und
gleichmäßiger
Die Behandlung von Prostatakrebs soll die Erkrankung dauerhaft heilen oder den Tumor zumindest „in Schach halten“. Wenn Prostatakrebs
nicht behandelt wird, breitet er sich aus, streut im Körper Tochtergeschwülste und führt früher oder später zum Tod.
Wenn zweifelsfrei feststeht, dass Sie Prostatakrebs haben, werden Sie mit Ihrem Arzt ausführlich sprechen: über das genaue
Ergebnis der Untersuchungen, über Ihre Behandlung und über
Ihre Heilungschancen (Prognose).
Gleason Grad 3
Unscharfer Knoten, Drüsen
klein und ungleichmäßig, evtl.
kleine solide Bezirke
Gleason Grad 4
Tumorbereich unscharf, Drüsen
meist ohne Innenraum, ver­
schmol­zene Drüsen, solide
Bezirke
Gleason Grad 5
Tumorbereich unscharf, kleine
klare Drüsen, solide Bezirke,
weitere Veränderungen
Gespräche ohne
Zeitdruck
Dieses Gespräch sollte in Ruhe und ohne Zeitdruck stattfinden.
Lassen Sie sich genau erklären, welche Behandlungsschritte Ihr
Arzt für sinnvoll und am besten geeignet hält. Wenn Sie sich mit
der vorgeschlagenen Behandlung unwohl fühlen, fragen Sie ihn,
ob es auch andere Möglichkeiten gibt.
Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Arzt verstehen, und fragen Sie
nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Lassen Sie sich
unbekannte Fremdwörter erklären. Viele Ärzte bemerken oft
nicht, dass sie Fachwörter benutzen, die Sie nicht kennen.
wRatgeber
Krebs-Wörter buch
Die Deutsche Krebshilfe gibt die Broschüre „Krebs-Wörterbuch –
Die blauen Ratgeber 41“ heraus, in der medizinische Fachbegriffe
laienverständlich erläutert werden (Bestelladresse Seite 79).
Prüfen Sie in Ruhe, ob der Arzt Ihre Fragen beantwortet hat und
ob Sie die Antworten des Arztes verstanden haben.
38 Prostatakrebs
Nehmen Sie
j­ emanden zu dem
Gespräch mit
Prostatakrebs 39
Die Operation
Wenn Sie möchten, nehmen Sie einen Familienangehörigen,
­einen Freund oder eine Freundin zu dem Gespräch mit. Bei
einem Nachgespräch zeigt sich häufig, dass vier Ohren mehr
gehört ­haben als zwei. Damit Sie sich nicht alles merken müssen, können Sie sich die wichtigsten Antworten des Arztes auch
­aufschreiben.
Jede Behandlung hat zum Ziel, den Tumor - und wenn Tochtergeschwülste vorliegen, möglichst auch diese - vollständig zu
entfernen oder zu vernichten, so dass eine dauerhafte Heilung
möglich ist. Eine solche Behandlung heißt kurative Therapie.
Lässt sich dieses Ziel nicht erreichen, versucht man, den Tumor
möglichst lange „in Schach zu halten“.
Harnleiter
Blase
Prostata
Harnröhre
Penis
Zustand vor der Operation
Grundsätzlich ist bei vielen Krebsarten die sicherste Behandlungsmethode, wenn das Tumorgewebe vollständig entfernt
wird. Beim Prostatakrebs bedeutet das: Die Prostata wird
­entfernt.
Entfernung
der Prostata
Allerdings kommt nur bei denjenigen Patienten eine radikale
Operation (radikale oder totale Prostatektomie) als alleinige
Behandlung in Frage, bei denen der Tumor die Organgrenzen
(= Kapsel der Prostata) noch nicht überschritten hat. Das ist
der Fall, wenn die Untersuchung der herausoperierten Pro­stata
zeigt, dass die so genannten Schnittränder des Organs keine
Krebszellen enthalten (negative Schnitträn­der). Dieses Ergebnis ist vor allem zu erwarten, wenn der PSA-Spiegel unter 10 ng / ml lag und die feingewebliche Untersuchung der Gewebeproben einen günstigen Reifegrad ergab.
Prostatakrebs
wächst langsam
Ergebnisse klinischer Studien haben inzwischen ergeben, dass
es lange dauert, bis ein Prostatakrebs wieder auftritt beziehungsweise weiterwächst. Sogar wenn bei der Untersuchung der
entfernten Prostata in den Schnitträndern Tumorzellen gefunden
wurden (positive Schnittränder) und / oder Lymphknoten befallen sind, vergehen zumeist fünf bis zwölf Jahre bis zum Wiederauftreten. Dies wird mit dem Kranken genau besprochen.
Entscheidet sich der Mann für die Entfernung der Pro­s­tata,
dann werden die gesamte Prostata mit der dadurch verlaufenden Harnröhre sowie Samenbläschen und Samenleiter, ein Teil
des Blasenhalses sowie – wenn notwendig – die benachbarten
Lymphknoten entfernt. Vorrangiges Ziel dieses Eingriffs ist es,
den betroffenen Mann zu heilen.
40 Prostatakrebs
Prostatakrebs 41
Harnleiter
Blase
Ihr Arzt wird mit Ihnen vor dem Eingriff ausführlich bespre- chen, welches Operationsverfahren in Ihrem speziellen Fall das beste ist.
Endoskopischer
Eingriff
Harnröhre
Penis
Beim Unterbauchschnitt werden zunächst die Lymphknoten
entfernt, die der Prostata und der Harnblase am nächsten liegen, da sich Krebszellen zuerst dort absiedeln würden. Im so
genannten Schnellschnittverfahren untersucht der Pathologe
unter dem ­Mikroskop noch während der Operation, ob sich in
diesen Lymphknoten Krebszellen finden. Sind sie krebsfrei, ist
der ­Prostatakrebs aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Organ
begrenzt. Dann wird die Prostata mit ihrer Kapsel und den Samenblasen entfernt, und die Samenleiter ­werden unterbunden.
Zustand nach der Operation
Verschiedene
Operationstechniken
Um die Prostata zu entfernen, gibt es heute grundsätzlich drei
Zugangswege: Der Operateur kann einen Unterbauchschnitt
zwischen Schambein und Bauchnabel machen (retropubische
­radikale Prostatektomie), eine Bauchspiegelung (laparoskopische
Prostatektomie / robo­terunterstützte laparoskopische Prostatek­
tomie) zur endoskopischen Prostataentfernung durchführen oder
mittels Dammschnitt (perineale radikale Prostatektomie) operieren. Beim Bauchschnitt oder der Laparoskopie können auch
gleichzeitig Lymphknoten entfernt und daraufhin untersucht
werden, ob sich in ihnen Tumorzellen finden. Beim Dammschnitt
ist die Entnahme von Lymphknoten nur erschwert möglich; allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einem frühen Erkrankungsstadium schon Lymphknoten befallen sind, gering, so dass
diese Operationsmethode bei einem früh erkannten Prostata­
karzinom zum Einsatz kommen kann.
Der Eingriff über die Harnröhre, die so genannte transurethrale
Resektion der Prostata (TURP) wird bei der gutartigen Prostatavergrößerung vorgenommen. Dabei wird ein Endoskop in die
Harnröhre eingeführt und die vergrößerte Prostata mittels einer
elektrischen Schlinge abgetragen. Beim Prostatakarzinom muss
jedoch die Vorsteherdrüse mitsamt der Kapsel wegoperiert werden, was durch die Harnröhre nicht zu erreichen ist. Die TURP
kann bei einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom als
lindernde (palliative) Maßnahme helfen, eine Störung bei der
Blasenentleerung zu beseitigen.
Finden sich jedoch Tumorzellen in den Lymphknoten, dann ist
der Krebs nicht mehr nur auf die Prostata beschränkt. Welche
Behandlungsmöglichkeiten dann zur Verfügung stehen, wird Ihr
Arzt mit Ihnen vor der Operation ausführlich besprechen.
Neue Verbindung
zwischen Blase
und Harnröhre
Nach der Entfernung der Prostata mit einem Teil der Harnröhre
muss eine neue Verbindung (Anastomose) zwischen der Blase
und der Harnröhre hergestellt werden. Damit diese Verbindung
hält, wird sie für einige Tage mit einem Dauerkatheter gesichert.
42 Prostatakrebs
Prostatakrebs 43
Durch diesen Katheter kann gleichzeitig der Urin aus der Harnblase abfließen. Bevor er wieder entfernt wird, überprüft der Arzt
durch eine Röntgenuntersuchung oder durch Ultraschall, ob die
Verbindung zwischen Blase und Harnröhre wirklich dicht ist.
­Nebenwirkungen
sind gering
­geworden
minimal invasiven Verfahren bis hin zur Einsetzung eines künstlichen Schließmuskels (Sphinkters).
Eine regelmäßige Beckenbodengymnastik kann Ihnen dabei helfen, dass Sie den Urin schneller wieder halten können.
Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen?
Neue, verbesserte Operationstechniken haben in den letzten
Jahren dazu geführt, dass die Nebenwirkungen nach einer radikalen Prostataentfernung geringer geworden sind. Dabei ist von
großer Bedeutung, dass aufgrund der wachsenden Zahl radikaler Prostatektomien die Operateure heute sehr viel praktische
Erfahrung haben. Dennoch lassen sich unerwünschte Nebenwirkungen der Operation nicht vermeiden.
Inkontinenz
Das erste Problem ist das Harnträufeln (Inkontinenz). Darunter
versteht man, dass der Betroffene den Urin nicht mehr halten
kann. Beim gesunden Mann sorgen vor der Operation unterschiedliche Mechanismen dafür, dass der Urin gehalten werden
kann: der innere Schließ­muskel am Blasenausgang, der Druck,
den die Prostata auf die Harnröhre ausübt, und ein Harnröhren­
schließ­muskelsystem unterhalb der Prostata.
Muskulatur
trainieren
Durch die Operation wird jedoch der Schließmuskel geschwächt,
der für das Öffnen und Schließen der Blase zuständig ist. Daher
ist ein Training sinnvoll und notwendig, damit die Muskulatur
ihre neue Aufgabe lernen kann. Wie lange das dauert, ist von
Mann zu Mann unterschiedlich. Bei dem einen dauert es Wochen, bei dem anderen vielleicht auch Monate. Letztendlich
­können zwölf Monate nach der Operation mehr als 95 Prozent
der Männer den Urin wieder halten (kontinent).
Aber auch in den seltenen Fällen, in denen eine schwere Inkontinenz bestehen bleibt, kann eine weiterführende spezialisierte
Inkontinenztherapie oft noch erfolgreich sein – beginnend vom
Anregungen und Übungen dafür finden Sie im Anhang ab Seite 98 dieser Broschüre.
Solange Sie Ihren Urin nicht normal halten können, benutzen
Sie geeignete Hilfsmittel wie Vor- oder Einlagen, damit Sie in
Ihren gewohnten Aktivitäten möglichst wenig eingeschränkt
sind. Die Materialien gibt es in unterschiedlicher Größe und
Saugfähigkeit. Lassen Sie sich schon im Krankenhaus durch
Ihren Urologen oder durch das Pflegepersonal beraten. Nach der
Entlassung aus der Klinik finden Sie diese Inkontinenzhilfen in
Apotheken, Sanitätshäusern und Spezialgeschäften. Fast alle
Hilfsmittel können verordnet werden, so dass die Krankenkasse
den größten Teil der Kosten übernimmt. Ihre Zuzahlung liegt bei
zehn Prozent beziehungsweise mindes­tens fünf und höchstens
zehn Euro pro Rezept.
Harnwegsinfektion
Bei manchen Betroffenen kommt es im Anschluss an die Ope­
ration zu einer Infektion der Harnwege, die mit Antibiotika behandelt wird. Fadenreste an der Vereinigungsstelle von Blase
und Harnröhre, eine zunächst unkoordinierte Blasenentleerung
oder der bis zur Wundheilung eingelegte Dauerkatheter sind
­dafür verantwortlich.
Nachdem der Katheter entfernt wurde, können Sie kurzfristig die
typischen Symptome einer „Reizblase“ verspüren, das heißt, Sie
müssen häufig zur Toilette, obwohl nur wenige Tropfen kommen.
44 Prostatakrebs
Beeinträchtigtes
Erektionsvermögen
Prostatakrebs 45
Hat Ihr Arzt Ihren Urin untersucht und konnte er so eine Infektion
der Harnwege ausschließen, erhalten Sie ein Medikament, das
Ihre Blase „ruhig stellt“. Dieses Medikament kann helfen, die
unmittelbar nach der Operation ­(postoperativ) auftretende Harn­
inkontinenz zu verbessern.
Sie werden nach der Operation sicher einige Zeit brauchen, bis
Sie sich körperlich und auch seelisch erholt haben. Dann wird
bei Ihnen irgendwann auch wieder der Wunsch nach Sexualität
und Geschlechtsverkehr aufkommen. Moderne Hilfsmittel können Ihnen helfen, die Gliedsteife bei Bedarf wiederherzustellen.
Das zweite Problem ist die beeinträchtigte ­Gliedversteifung
(erektile Dysfunktion). Der Verlust der spontanen Erektionsfähigkeit beeinträchtigt aber nicht die sexuelle Lust und auch nicht
das Gefühl im Penis bis hin dazu, einen Orgasmus erleben zu
können. Allerdings ist ein Orgasmus nach der Entfernung der
Prostata „trocken“, da die zuvor in Prostata und Samenblasen
produzierte Samenflüssigkeit nun fehlt.
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten
•• Medikamente in Tablettenform helfen etwa der Hälfte der
­betroffenen Männer. Sie können diese bereits unmittelbar
nach der Operation einnehmen. Lassen Sie sich von Ihrem
Arzt beraten.
•• Medikamente, die der Mann selbst unmittelbar in die Schwellkörper spritzt (Schwellkörperautoinjektion – SKAT) oder in
die Harnröhre einbringt. Sie sind angebracht, wenn Tabletten
versagen. Auch hier weiß Ihr Arzt Rat.
•• Eine Vakuumpumpe, die auf den Penis aufgesetzt wird, erzeugt durch das Vakuum einen Blutstau im Penis und somit
eine Versteifung. Ein Gummiring, der an der Penisbasis angebracht wird, erhält die Erektion aufrecht.
•• Schwellkörperimplantate stehen als weitere Möglichkeit zur
Verfügung, allerdings nur, wenn alle zuvor genannten Maßnahmen nicht erfolgreich waren oder wenn der Betroffene sie
nicht wünscht. Allerdings sollen solche Implantate frühestens
ein Jahr nach der Operation zur Anwendung kommen.
Gestört ist jedoch die Versteifungsfähigkeit des Gliedes. Dafür
sind zwei Nervenstränge verantwortlich, die rechts und links an
der Prostata entlanglaufen, und zwar so dicht, dass der Urologe
diese Nerven nicht immer schonen kann. Von der reinen Operationstechnik her ließen sich diese Nervenstränge zwar durchaus
schonen, aber der Arzt darf dies nur dann auch wirklich tun,
wenn der Tumor sehr klein ist. Andernfalls würde er Tumorge­
webe im Körper zurücklassen.
Eine nerverhaltende Operation kann heute die Potenz bei bis zu
80 Prozent der Betroffenen erhalten. Kein Arzt kann Ihnen das
allerdings garantieren.
Ein geübter Operateur kann das Erektionsvermögen dann erhalten, wenn die Geschwulst in der Prostata noch klein ist. Das
heißt vor allem: wenn die Erkrankung frühzeitig entdeckt wurde.
Die Früherkennung eines Prostatakarzinoms ist also nicht nur für
die Lebenserwartung des Betroffenen, sondern auch für seine
Lebensqualität von Bedeutung.
Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Urologen beraten,
welche Möglichkeiten für Sie am ehesten in Frage kommen, und
beziehen Sie in diese Überlegungen auch Ihre Partnerin mit ein.
46 Prostatakrebs
Prostatakrebs 47
Kältetherapie und HIFU-Therapie
Wirksamkeit noch
nicht langfristig
überprüft
Weitere Verfahren zur lokalen Behandlung des Prostatakrebs
sind unter anderen die Kältetherapie und eine besondere Ultraschalltherapie (HIFU-Therapie, hoch intensivierter fokussierter
Ultraschall). Diese Therapieformen haben sich in den letzten
Jahren von rein experimentellen Verfahren zu wirklichen Alternativen entwickelt. Allerdings darf an dieser Stelle der Hinweis
nicht fehlen, dass es dafür noch keine Langzeitergebnisse gibt.
Sie kommen jedoch als weitere Behandlungsmethoden des örtlich begrenzten Prostatakrebs insbesondere für solche Betroffenen in Frage, die nicht operiert werden können oder die selbst
den Wunsch haben, nicht operiert oder bestrahlt zu werden. Die
HIFU-Therapie kann auch bei einer örtlich begrenzten Wieder­
erkrankung (Rezidiv) durchgeführt werden, wenn zuvor eine
Strahlentherapie der Prostata erfolgte.
hierfür ausgebildeter Arzt zuständig – der Strahlentherapeut
oder Radioonkologe. Er begleitet Sie gemeinsam mit anderen
Spezialisten durch diese Zeit.
Bestrahlung als
Alternative zur
Operation
Eine Bestrahlung stellt heute eine Alternative zur Operation dar.
Sie kommt in Betracht, wenn der behandelnde Arzt oder der
­Betroffene eine Operation und die damit verbundenen Risiken
beziehungsweise Nebenwirkungen scheut. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Allgemeinzustand des Betroffenen
zu schlecht ist oder wenn der Tumor die Kapsel der Prostata
überschritten hat. Auch bei Männern höheren Alters kann die
­äußere Strahlentherapie anstelle des operativen Eingriffs in
­Frage kommen.
Bestrahlung
­zusätzlich zur
­Operation
In Einzelfällen kann auch nach einer Entfernung der Prostata eine zusätzliche Bestrahlung sinnvoll sein, wenn Tumoren eine
bestimmte Größe überschritten haben oder bei der Operation
das Tumorgewebe nicht restlos entfernt werden konnte. Lokal
fortgeschrittene Prostatakarzinome werden mit einer Kombi­
nation aus Strahlentherapie und vorübergehender Hormon­
therapie behandelt.
Sorgfältige
Bestrahlungs­
planung
Die Bestrahlung wirkt nur dort, wo die Strahlen auf das Gewebe
treffen. Die richtige Menge festzulegen, ist eine Gratwanderung,
und muss sehr sorgfältig geplant werden: Einerseits soll die
Strahlendosis so hoch sein, dass sie die Krebszellen abtötet.
Andererseits soll die Strahlenmenge so niedrig sein, dass das
gesunde Gewebe neben den Krebszellen geschont wird und die
Nebenwirkungen so gering wie möglich ausfallen.
Die Strahlentherapie
Strahlen schädigen
vor allem Krebszellen
Wird ein Tumor mit Strahlen (Radiotherapie) bekämpft, sollen
diese die Tumorzellen abtöten und den Betroffenen heilen.
­Ionisierende Strahlen verändern das Erbgut der Zellen. Normale,
gesunde Zellen können solche Schäden meistens reparieren. Bei
Krebszellen funktioniert dieses Reparatursystem nicht so gut.
Deshalb können sie die Schäden, die die Bestrahlung verursacht
hat, nicht beheben: Die Krebszellen sterben ab.
Die Strahlen, die dabei zum Einsatz kommen, lassen sich mit
denjenigen vergleichen, die bei einer Röntgenuntersuchung
verwendet werden. Ihre Energie ist jedoch sehr viel höher, und
dadurch können sie besser und tiefer in das Gewebe eindringen.
Ein Mensch kann diese Strahlung nicht sehen und nicht spüren,
sie tut also auch nicht weh. Für die Behandlung ist ein speziell
Die gründliche Bestrahlungsplanung sorgt dafür, dass die Strahlen genau auf das Gebiet begrenzt sind, das der Strahlenarzt vorher festgelegt hat. Die Prostata liegt eingebettet zwischen Blase
und Darm. Beide Organe sind strahlenempfindlich (der Darm ist
48 Prostatakrebs
Prostatakrebs 49
anfälliger für Nebenwirkungen als die Blase), deshalb muss die
Bestrahlungsplanung so sorgfältig erfolgen, dass die Prostata
optimal erfasst und Blase sowie Darm bestmöglich geschont
werden. Hierfür wird ein Computertomogramm (CT-Abdomen /
Becken) oder eine Kernspintomographie (Abdomen / Becken)
angefertigt. Mittels dreidimensionaler Bestrahlungsplanung
wird dann die günstigste Bestrahlungs-Technik ermittelt und die
erforderliche Strahlendosis – gemessen in Gray (Gy) – genauestens berechnet. Für die Bestrahlung kommen spezielle Bestrahlungsgeräte (so genannte Linearbeschleuniger) zum Einsatz.
Durch diese Techniken sind die Risiken einer Strahlenbehandlung heute sehr gering.
Das Bestrahlungsfeld umfasst immer die Prostata; je nach Tumorstadium kann es auch notwendig sein, die Samenblase mit
zu erfassen. Umgebende Lymphknoten werden nur ausnahmsweise mit bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt mindestens über
vier, manchmal jedoch auch über bis zu sieben Felder. Im strahlentherapeutischen Fachjargon heißt dies Boxtechnik.
­ orteil, dass die pro Behandlungstag eingesetzte Strahlen- V
dosis sehr niedrig ist und Nebenwirkungen so gering wie mög- lich ausfallen.
Ambulante
Behandlung
Die Bestrahlungen sind vollkommen schmerzfrei. Um die Mit­
glieder des Behandlungsteams zu schützen, sind Sie während
der einzelnen Sitzungen in dem Bestrahlungsraum allein. Dennoch brauchen Sie sich nicht allein gelassen zu fühlen: Über eine
Kamera und eine Gegensprechanlage können Sie jederzeit Kontakt mit den medizinisch-technischen Assistent(inn)en oder den
Ärzt(inn)en aufnehmen.
Prostata-Bestrahlung „von innen“
Wichtig ist, dass Sie ausreichend trinken: Auf diese Weise spülen
Sie die Blase gut durch, und dies hilft, Infektionen zu vermeiden.
Therapie dauert
mehrere Wochen
Ihr Strahlentherapeut hat die Gesamtmenge der Strahlen errechnet, mit der Sie behandelt werden sollen. Sie erhalten diese
Menge aber nicht auf einmal, sondern in mehreren Sitzungen,
üblicherweise an fünf Tagen pro Woche – meistens von Montag
bis Freitag, die Wochenenden sind als Ruhepausen vorgesehen.
Sie brauchen nicht zu befürchten, dass sich diese Pausen ungünstig auf den Erfolg der Behandlung auswirken.
Eine Sitzung dauert nur wenige Minuten. Diese Aufteilung in
„Einzelportionen“, die so genannte Fraktionie­rung, hat den
Die Therapie kann oft ambulant erfolgen. Sie brauchen also nur
zur Bestrahlung in die Klinik zu kommen und können anschließend wieder nach Hause gehen.
Die so genannte Prostata-Spickung (LDR-Brachytherapie, LowDose-Rate, Seed-Implantation) ist ein anderes Behandlungsverfahren, um das örtlich begrenzte Prostatakarzinom zu heilen.
Kleine radioaktive Stifte (Seeds) werden unter Narkose oder örtlicher Betäubung in die Vorsteherdrüse eingestochen. Dort verbleiben sie und geben ihre Strahlung so lange ab, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. Dies kann bis zu drei Monate dauern.
Leider hat sich auch bei dieser Behandlung die Hoffnung nicht
erfüllt, dass die Potenz sicher erhalten werden kann.
„Nachladetechnik“
Eine weitere Form der Brachytherapie ist die so genann­te HDRBrachytherapie (High-Dose-Rate), auch „Nach­ladetechnik“
genannt. Bei dieser Technik wird die äußere Bestrahlung (exter­
ne Strahlentherapie) durch vorübergehendes Eindringen von
Strahlenkörpern (z.B. Iridium 192) in die Prostata ergänzt. Diese
Form der Behandlung bietet sich bei Tumoren an, die weiter
fortgeschritten sind, sich daher nicht mehr operativ entfernen
50 Prostatakrebs
Prostatakrebs 51
lassen, aber noch keine Metastasen gebildet haben. Die HDRBrachytherapie erfolgt zumeist zweimalig in einem Abstand von
bis zu einer Woche; daran schließt sich die etwa fünfwöchige
äußere Bestrahlung an.
wRatgeber
Strahlentherapie
Enddarmbeschwerden. Meist lassen sich diese Nebenwirkungen
problemlos mit Medikamenten behandeln.
Wenn Sie Beschwerden haben, berichten Sie Ihrem Arzt bei­
zeiten darüber und lassen Sie sich beraten, was sich dagegen
tun lässt.
Ausführliche Informationen über die Behandlung mit Strahlen
enthält die Broschüre „Strahlentherapie – Die blauen Ratgeber
53“ der Deutschen Krebshilfe (Adresse Seite 79).
Hautreaktionen sind bei der Bestrahlung des Prostatakarzinoms
eher selten, da aus verschiedenen Winkeln bestrahlt wird und
somit die Haut an einer Stelle jeweils nur eine relativ geringe
Dosis erhält. Wenn Sie dennoch Hautprobleme haben, fragen Sie
Ihren Strahlentherapeuten um Rat. Er wird erklären, wie Sie Ihre
Haut am besten pflegen, ob Sie zum Beispiel Salben oder Puder
verwenden sollen.
Die Strahlentherapie der Prostata kann auch mit Protonen (Par­
tikelbestrahlung) erfolgen. Aufgrund der besonderen physikalischen Eigenschaften können auch tief liegende Tumoren so
bestrahlt werden, dass die Dosis für eine Heilung ausreicht und
dennoch das umliegende gesunde Gewebe geschont wird. Diese
Behandlung wird im Forschungszentrum besonders bei „Risiko­
prostatakarzinomen“ angeboten.
Sehr selten kommt es zu Schrumpfungen der Blase oder entzündlichen Veränderungen im Enddarm, bei denen Geschwüre
oder Blutungen auftreten können. Dies kann besonders bei
­Hämorrhoiden verstärkt der Fall sein.
Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen?
Die Beschwerden, die nach der Strahlenbehandlung von Prostatakrebs auftreten können, hängen davon ab, wie Sie zuvor
behandelt worden sind. Auch Art und Umfang der Strahlentherapie spielen eine Rolle. Wie bei der Operation gilt auch hier: Je
umfangreicher die Behandlung ist, das heißt je ausgedehnter die Erkrankung, desto mehr Beschwerden können auftreten.
Grundsätzlich unterscheidet man akute Nebenwirkungen, das
heißt solche, die bereits in den Wochen während der Strahlentherapie auftreten, von Spätreaktionen, die nach der Behandlung
eintreten können.
Brennen beim
­Wasserlassen
Zu den akuten Nebenwirkungen gehören zum Beispiel Reizungen der Harnblase, etwa Brennen beim Wasserlassen wie bei
einer Blasenentzündung, oft auch Stuhl­drang und krampfartige
wRatgeber
Ernährung
bei Krebs
Wenn Sie Darmbeschwerden haben, essen Sie eine leichte, ­wenig
blähende Kost. Ausführliche Informationen und hilfreiche Tipps
enthält die Broschüre „Ernährung bei Krebs – Die blauen Rat­
geber 46” der Deutschen Krebshilfe (Bestelladresse Seite 79).
Die akuten Reaktionen auf die Bestrahlungen gehen im Allgemeinen einige Wochen bis Monate nach Abschluss der Therapie
wieder zurück.
Raucher-Hotline
Übrigens: Bei Rauchern ist der Körper schlechter durchblutet
als bei Nichtrauchern. Bei krebskranken Menschen, die weiter
rauchen, führt das zum Beispiel dazu, dass eine Chemo- oder
Strahlentherapie weniger gut wirkt.
52 Prostatakrebs
Prostatakrebs 53
Deshalb raten wir Betroffenen dringend: Hören Sie auf zu rauchen.
wPräventions-
ratgeber
Richtig aufatmen
Die Broschüre „Richtig aufatmen – Geschafft – Endlich Nicht­
raucher“ der Deutschen Krebshilfe enthält ein Ausstiegsprogramm für Raucher, die das Rauchen aufgeben möchten. Sie
können diesen Ratgeber unter der auf Seite 79 angegebenen
Adresse kostenlos bestellen.
Wenn Sie es allein nicht schaffen, lassen Sie sich von der
­Raucher-Hotline der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen
Krebsforschungszentrums helfen.
Krebskranke und deren Angehörige, die mit dem Rauchen aufhören und dabei Unterstützung haben möchten, können werktags
zwischen 14 und 17 Uhr die Raucher-Hotline der Deutschen
Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrums anrufen. Dort können sie sich zwischen zwei Möglichkeiten der
telefonischen Beratung entscheiden. Bei einem einmaligen Gespräch geht es zum Beispiel um die Vorgeschichte des Anrufers
(Anamnese), um seine Beweggründe, es können konkrete Maßnahmen zum Rauchstopp geplant und Durchhaltemöglichkeiten
besprochen werden. Wer möchte, kann aber auch Folgeanrufe
vereinbaren: Um nicht rückfällig zu werden, können die Anrufer
dann zum Beispiel über Fortschritte, schwierige Situationen sowie Entzugssymptome sprechen.
wInternetadresse
Sie erreichen dieses Rauchertelefon
Telefon: 0 62 21 / 42 42 24 (Mo bis Fr von 14 – 17 Uhr)
Internet: www.tabakkontrolle.de
Hier können Sie auch Adressen von speziell ausgebildeten Kursleitern erhalten, die in der Nähe Ihres Wohnorts Tabakentwöhnungskurse anbieten. Leider ist das Netz dieser Experten relativ
weit­maschig, so dass es außerhalb größerer Städte schwierig sein
kann, intensive persönliche Hilfe von solchen Experten zu erhalten.
Kontrolliertes Zuwarten (watchful waiting)
Unter bestimmen Voraussetzungen muss trotz der Diagnose
Prostatakarzinom nicht sofort mit der Behandlung begonnen
werden: etwa bei günstiger Gewebsreife (Grad 1), unauffälli- gem Tastbefund, einem niedrigen PSA (zum Beispiel kleiner 10 ng / ml), bei einem hohen Lebensalter und / oder ernsten
­Begleiterkrankungen des Be­troffenen.
Für diese Betroffenen ist es ratsam, halbjährlich zur Kontrolle zu
ihrem Urologen zu gehen. Dabei ist dann die Bestimmung des
PSA-Wertes besonders wichtig.
Aktive Überwachung (active surveillance)
Seit Einführung der PSA-Testung wird bei deutlich mehr Männern
zu Lebzeiten die Diagnose Prostatakrebs gestellt. Von früher 8
auf heute etwa 17 Prozent hat sie sich in den letzten Jahren mehr
als verdoppelt. Viele dieser Erkrankungen sind jedoch rein feingewebliche Diagnosen, bei denen angenommen wird, dass sie so
genannte klinisch nicht signifikante Karzinome sind. Sie werden
auch als Niedrigrisikogruppe des Prostatakrebs bezeichnet und
sind im Grunde nicht gefährlich für den Betroffenen.
Der klinisch nicht signifikante Prostatakrebs wird hierbei unter
anderem mit den Kriterien Gleason-Score bis 6 (vergleiche Seite
35 f.), ­einem PSA-Wert kleiner 10 ng / ml, nur einer positiven von
12 Prostatastanzen sowie dem pathologischen Stadium T1c-T2a
definiert (so genannte Epstein-Kriterien).
54 Prostatakrebs
Engmaschige
Überwachung
wichtig
Prostatakrebs 55
Etwa 60 Prozent aller Betroffenen haben diese Art von Prostatakrebs. Für sie wurde das Behandlungskonzept der aktiven Überwachung (active surveillance) entwickelt. Diese Männer werden
engmaschig klinisch überwacht, aber noch nicht behandelt.
Lassen Veränderungen bestimmter Messwerte vermuten, dass
die Erkrankung fort­schreitet, werden die Betroffenen verzögert
be­handelt.
Hypothamalus
(Zwischenhirn)
GnRH
Agonisten
GnRH
Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass
die Überlebensrate der Männer mit einer solchen aktiven Überwachung ebenso bei fast 100 Prozent liegt wie bei einer sofortigen Operation.
Prostata
Rückkopplung
Testosteron
LH
Bei dieser Behandlung sind engmaschige Kontrolluntersuchungen (PSA, Ultraschall, digital-rektale Tastunter­suchung) besonders wichtig, um sofort feststellen zu können, wenn die Krankheit fortschreitet. In regelmäßigen Zeitabständen sollte erneut
eine Prostatabiopsie erfolgen.
Antiandrogene
Zellen im Hoden
(Leydigzellen)
Der Regelkreis der Testosteronbildung wird bei der Hormon­
entzugstherapie unterbrochen
Die Hormontherapie
Daher kommt eine Behandlung zum Tragen, die auf den ganzen
Körper wirkt (systemische Behandlung): die Hormontherapie.
Blase
Hypophyse
(Hirnanhangdrüse)
Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Urologen, ob für Sie die
aktive Überwachung in Frage kommt. Lassen Sie sich von ihm
alle Vorteile, aber auch eventuelle Risiken ausführlich erklären,
damit Sie Ihre Entscheidung bewusst treffen können.
Hat das Prostatakarzinom zum Zeitpunkt der Diagnose bereits
Lymphknoten- oder Knochenmetastasen gesetzt, dann ist eine
örtliche Behandlung unzureichend, da sich Metastasen meist
gleichzeitig an mehreren Stellen im Körper entwickeln.
männliche Hormone
aus der Nebenniere
Lindernde Behandlung mit geringen
Nebenwirkungen
Hauptziel ist dabei, dem betroffenen Mann auch in Anbetracht
seiner fortgeschrittenen Krankheit die Lebensqualität zu erhalten. Besonders wichtig bei dieser lindernden (palliativen)
Behandlung ist, dass alle eingesetzten Maßnahmen möglichst
nebenwirkungsarm sind. Denn erhebliche Nebenwirkungen
beeinflussen die Lebensqualität, und deren Erhalt ist ja, wie
­soeben erwähnt, das Hauptziel.
56 Prostatakrebs
Testosteronbildung
unterbinden
Prostatakrebs 57
Hormone sind Botenstoffe des Körpers, die er selbst in spezialisierten Zellen und Geweben herstellt und die ganz verschiedene
Körperfunktionen beeinflussen. So steuern Hormone auch die
Entwicklung und Funktion der Geschlechtsorgane – unter anderem der Prostata. Ausgangspunkt dieses Regelkreislaufs ist
das Zwischenhirn, das über die Hirnanhangdrüse (Hypophyse)
bestimmte Zellen im Hoden dazu anregt, das männliche Geschlechtshormon Testosteron zu bilden. Dieses wiederum beeinflusst das Wachstum der Prostata beziehungsweise der Prostatakarzinomzellen. Unterbindet man also die Testosteronbildung,
entzieht man den Krebszellen der Prostata einen Großteil ihrer
„Nahrung“. Genau hier setzt die Hormontherapie (endokrine
Therapie) an: Sie hemmt die Bildung beziehungsweise Wirkung
des männlichen Geschlechtshormons Testosteron – also des
Hormons, welches das Wachstum eines bereits vorhandenen
Prostatakrebses fördert.
Wann die Hormontherapie einsetzen soll – zum Beispiel schon,
wenn sich zeigt, dass die Krankheit nach der Operation oder
Strahlentherapie fortschreitet (PSA-Anstieg!), oder erst verzögert,
ist noch nicht endgültig geklärt. Für einen verzögerten Einsatz
zum Beispiel bei einem langsamen PSA-Anstieg oder niedrigen
PSA-Werten spricht, dass den Betroffenen bis dahin alle Nebenwirkungen der Hormonbehandlung erspart bleiben und kein Risiko
besteht, dass der Krankheitsverlauf dadurch negativ beeinflusst
wird. Steigt der PSA-Wert schnell an, ist das ein Hinweis darauf,
dass die Erkrankung Tochtergeschwülste gebildet hat und sich
rasch ausbreitet. Hier bietet es sich an, früher mit der Hormonbehandlung zu beginnen, ebenso bei PSA-Werten über 50.
­Verschiedene
­Formen der
­Hormontherapie
Es lassen sich drei Arten von Hormontherapien ­unterscheiden
•• Operative Kastration
Hierbei wird ein Großteil des hormonaktiven Hodengewebes
entfernt („Schälung“). Dieser einmalige operative Eingriff hat
den Vorteil, dass damit die Behandlung abgeschlossen ist.
Allerdings ist diese Behandlung für viele Männer eine erhebliche seelische Belastung.
•• Die LHRH-Analoga
(Luteinisierungshormon-Releasing Hormon = Hormon aus dem
Zwischenhirn) LH regt die Bildung von Testosteron im Hoden
an. Bei LHRH handelt es sich um Hormone, die die Hirnanhangdrüse blockieren. Sie werden künstlich hergestellt und
gleichen dem natürlichen Hormon LHRH, das die Bildung von
LH in der Hypophyse anregt. Die LHRH-Analoga steigern zunächst in gleicher Weise die LH-Bildung, da die Wirkung aber
dauerhaft anhält, erschöpft sich die Hypophyse und kann kein
LH mehr nachliefern. Nach LH-Abfall wird kein männliches
­Geschlechtshormon mehr gebildet (chemische Kastration).
Im Gegensatz zum operativen Eingriff kann diese chemische
Kastration wieder rückgängig gemacht werden.
•• Antiandrogene
Antiandrogene werden in zwei Klassen angeboten: Die erste
Gruppe schirmt die Prostatakrebszellen gegenüber der Wirkung des Testosterons ab; die Testosteronbildung im Hoden
bleibt davon unbeeinflusst. Daher bleibt bei dieser Behandlung im Gegensatz zu anderen hormonellen Behandlungsformen die Potenz etwas länger erhalten. Die zweite Gruppe der
Antiandrogene schirmt die Krebszellen ab und unterdrückt
zusätzlich die Testosteronbildung im Hoden.
Es ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass eine dauerhafte Kombination der operativen und medikamentösen Kastration
mit einem Antiandrogen oder die anhaltende Anwendung mehrerer wirksam ist.
58 Prostatakrebs
Östrogengabe
selten
Prostatakrebs 59
Werden einem Mann weibliche Geschlechtshormone (Östrogene)
verabreicht, beeinflussen diese hauptsächlich die Rückkoppelung zur Hirnanhangdrüse und blockieren so die Testosteronproduktion im Hoden. Die Östrogenbehandlung kann Nebenwirkungen auf Herzkreislauf und Blutgerinnung haben, so dass sie
selten angewendet wird.
Nebenwirkungen der Hormontherapie
und deren Behandlung
Niedergeschlagenheit und Antriebsarmut
Die Hormontherapie beim Mann verändert dessen Allgemeinbefinden. Am besten kann man die Nebenwirkungen mit den Veränderungen vergleichen, die bei einer Frau in den Wechseljahren
auftreten. Am störendsten empfinden die betroffenen Männer
depressive Stimmungsveränderungen, Antriebsarmut und Hitzewallungen. Letztere können mit einem Hautpflaster (ClonidinPflaster, erhältlich über die Auslandsapotheke) oder mit einem
niedrig dosierten Antiandrogen behandelt werden. Im Laufe
der Jahre können auch Stoffwechselstörungen in den ­Knochen
auftreten. Wurden diese Veränderungen durch eine Knochendichtemessung nachgewiesen, kann ihnen zum Beispiel mit
Vitamin-D-Abbauprodukten (Metaboliten) oder Bisphosphonaten
entgegengewirkt werden.
Häufig kann die Hormontherapie auch zu Brustschmerz oder zu
einer Vergrößerung der Brustdrüse führen. Eine vorbeugende
­Bestrahlung der Brustdrüse oder besondere Medikamente können diese Nebenwirkung eingrenzen. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt.
Herz-KreislaufErkrankungen
Neuere Untersuchungen zeigen, dass eine Hormonbehandlung des Prostatakrebs in einigen Fällen das Risiko von HerzKreislauf-Erkrankungen erhöhen kann. Sprechen Sie Ihren Arzt
darauf an. Achten Sie auch darauf, dass Werte, die für Herz und
Kreislauf wichtig sind, wie etwa Blutdruck und Blutzucker richtig
eingestellt sind. Gegebenenfalls ist auch eine Anpassung der
Medikamente vor Beginn einer Hormonbehandlung erforderlich.
Die Chemotherapie
Zellgifte schädigen
vor allem Tumorzellen
Eine Chemotherapie zerstört Zellen, die sich schnell teilen. Die
Medikamente (Zytostatika), die dabei zum Einsatz kommen, hindern Zellen daran, weiter zu wachsen, indem sie in die Zellteilung
eingreifen. Der Blutkreislauf verteilt die Medikamente im ganzen
Körper (systemische Therapie). Das hat allerdings den Nachteil,
dass sie auch gesunde Gewebezellen angreifen, die sich oft teilen. Dazu gehören zum Beispiel die Schleimhaut- und Haarwurzelzellen. Werden gesunde Zellen angegriffen, entstehen Nebenwirkungen, die wir Ihnen später noch näher beschreiben. Fragen
Sie aber auf alle Fälle auch Ihren Arzt, womit Sie rechnen müssen
und was Sie gegen die Nebenwirkungen tun können.
Zytostatika können einzeln eingesetzt werden (Mono­therapie)
oder kombiniert in so genannten Schemata. Die verwendeten
Medikamente sind sehr giftig. Deshalb dürfen sie nur mit größter
Vorsicht eingesetzt und Wirkungen und Nebenwirkungen müssen ständig kontrolliert werden. Nur ein erfahrener Arzt sollte
eine Chemotherapie durchführen.
In der Behandlung des Prostatakrebses kann die Chemotherapie
dann angewendet werden, wenn der Tumor trotz Hormon- und /
oder Strahlentherapie nicht unter Kontrolle gebracht werden
kann. Für diesen Fall stehen heute verschiedene Chemothera­
peutika zur Verfügung. Sie erhalten die Medikamente in mehreren Einheiten, die als Chemotherapie-Zyklen bezeichnet
werden. Jeder ­Zyklus besteht aus den Tagen, an denen Sie die
Medikamente bekommen, und einer Erholungspause. Die Pause
60 Prostatakrebs
Prostatakrebs 61
ist erforderlich, damit sich die gesunden Körperzellen von den
Zellgiften erholen können.
Bei aller Sorgfalt, mit der eine Chemotherapie durchgeführt wird:
Unerwünschte Nebenwirkungen werden sich nicht vermeiden
lassen. Jeder wird diese unterschiedlich stark empfinden, und
deshalb wird jeder für diese Zeit auch mehr oder weniger Durchhaltevermögen brauchen.
Bei der Chemotherapie des Prostatakrebses können typische
Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Haaraus- fall auftreten.
Übelkeit und
­Erbrechen
Haarausfall
Vor allem Übelkeit mit Brechreiz und Erbrechen belastet die
meisten Betroffenen am häufigsten. Oft entstehen die Beschwerden, weil die Zytostatika direkt auf das Zentrum im Gehirn wirken, das das Erbrechen auslöst. Zusätzlich können seelische Ursachen wie Angst die Beschwerden noch verstärken. Inzwischen
gibt es jedoch sehr gute Medikamente (Antiemetika), die Übelkeit
und Brechreiz wirksam unterdrücken. Viele Krebskranke erhalten
diese Medikamente vorsorglich als Infusion vor der eigentlichen
Chemotherapie. Bei starken Beschwerden können sie aber auch
erneut über die Vene oder als Tabletten gegeben werden.
Die Zellen der Haarwurzeln erneuern sich rasch und werden daher durch die Medikamente oft geschädigt. Die sichtbare Folge:
vorübergehender Haarausfall. Dabei verlieren Sie nicht nur die
Kopfhaare, sondern auch die gesamte Körperbehaarung.
Jeder Betroffene wird für sich selbst entscheiden, wie er damit
umgeht: ob er für einige Zeit mit einer Glatze leben kann und will
oder ob er sich für diese Zeit eine Perücke anfertigen lässt.
Ein Trost bleibt aber für alle: Wenn die Behandlung zu Ende ist,
wachsen die Haare wieder nach. Auch die anderen Nebenwirkungen verschwinden im Regelfall wieder, wenn keine Zytostatika
mehr verabreicht werden.
Behandlung in späten Erkrankungsstadien
Operative Maßnahmen, gezielte Strahlentherapie
In besonderen Fällen können auch im späten Erkrankungs­sta­dium operative Maßnahmen in Frage kommen
•• Um die Urinausscheidung sicherzustellen, wenn eine Stauung
der Nieren oder der Harnblase vorliegt
•• Wenn Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird
•• Wenn Knochenbrüche behandelt werden müssen
Eine gezielte Strahlentherapie ist sehr erfolgreich bei schmerzhaften Metastasen, die auf eine Hormon- oder Chemotherapie
nicht ansprechen.
Radionuklidbehandlung
Bei Knochenschmerzen, die auf eine Hormon- und Chemotherapie nicht mehr ansprechen, können Radionuklide angewendet
werden, um die Schmerzen zu lindern. Die radioaktiv geladenen
Teilchen werden intravenös verabreicht; sie lagern sich dann in
dem durch die Metastasen veränderten Knochengewebe vermehrt an und geben dort Strahlung ab, die das Tumorwachstum
vorübergehend in Schach hält.
Unterstützung des Knochens bei
Knochenmetastasen
Hat der Prostatakrebs Absiedelungen in den Knochen (Kno­
chenmetastasen) entwickelt, können Knochenschmerzen, Wirbelkörperverformung, Knochenbrüche oder eine Verdrängung
62 Prostatakrebs
Prostatakrebs 63
des Rückenmarks mit entsprechenden Beschwerden auftreten.
Neuerdings werden so genannte Bisphosphonate in der medikamentösen Therapie eingesetzt, um Knochenkomplikationen oder
Knochenschmerzen zu verhindern. Bei Prostatakrebs wird am
häufigsten Zoledronsäure verwendet, die einmal monatlich als
Kurzinfusion verabreicht wird.
Tun Sie etwas für sich
An Krebs erkrankt nicht nur der Körper, auch die Seele gerät aus dem
Gleichgewicht. Deshalb brauchen Krebs-Betroffene auch seelische Be­
gleitung, damit sie in ihrem Leben mit Krebs wieder Halt finden können.
Werden Sie mit Bisphosphonaten behandelt, pflegen Sie Ihre
Zähne besonders gut und gehen Sie regelmäßig zum Zahnarzt,
da Zoledronsäure den Kieferknochen stark angreift und ihn
­schädigen kann.
Wenn bei Ihrem Auto die Bremsen kaputt sind, lassen Sie diese
in der Werkstatt reparieren, und alles ist wieder in Ordnung. Sind
Sie selbst krank, ist es mit der „Reparatur“ allein vor allem bei
einer schweren Krankheit wie Krebs meist nicht getan.
„Sie haben Krebs.“ Diese Mitteilung verändert schlagartig das
Leben der Betroffenen, löst Unsicherheit und Ängste aus: Angst
vor der Behandlung und ihren Nebenwirkungen, vor Schmerzen,
vor dem Tod, Angst um die Familie. Irgendwie werden Sie lernen,
mit der neuen Situation fertig zu werden. Immer wieder werden
Sie sich aber wohl die Frage stellen: „Warum ich?“ Vielleicht
denken Sie dann an ein zurückliegendes Ereignis, das Sie sehr
belastet hat. Vielleicht suchen Sie die Ursache in Ihrer Lebensweise. So verständlich diese Suche ist, Sie werden keine Antwort
darauf finden, warum ausgerechnet Sie krank geworden sind.
Niemand ist „Schuld“ an Ihrer Krankheit. Akzeptieren Sie Ihre
Erkrankung als Schicksalsschlag und schauen Sie nach vorn.
Nehmen Sie den Kampf gegen Ihre Krankheit auf und suchen Sie
sich Verbündete, die Sie unterstützen.
Verheimlichen
Sie Ihre Krankheit nicht
Viele Betroffene werden durch die Krankheit „stumm“: Sie verheimlichen, dass sie überhaupt krank sind, oder verschweigen
zumindest, was sie haben – aus Scham, aus Angst vor der Reaktion der anderen, vielleicht aus Angst vor beruflichen Folgen.
64 Prostatakrebs
Prostatakrebs 65
Es ist aber wichtig ist, dass Sie über Ihre Erkrankung sprechen.
Ihre Angehörigen und Freunde werden zu­nächst vor den gleichen
Schwierigkeiten stehen wie Sie: Soll ich ihn auf die Krankheit
ansprechen? Soll ich so tun, als wüsste ich nichts? Verletze ich
ihn, wenn ich frage? Am Anfang wird es – so die Erfahrung vieler
Betroffener – nicht leicht sein, ein offenes Gespräch miteinander
zu führen.
einer Geburtstagsfeier, wenn Ihnen ein ganzer Abend zu anstrengend ist? Vielleicht interessieren Sie sich auch für die Mitarbeit
in einer privaten, kirchlichen oder politischen Organisation oder
in einem Verein? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht,
in eine Krebs-Selbsthilfegruppe zu gehen?
Starke Müdigkeit
Es kann sein, dass eine quälende Müdigkeit Ihren Tagesablauf
belastet – eine Folge der Chemotherapie. Diese dauerhafte
Erschöpfung bei Krebs wird auch als „Fatigue” bezeichnet, ein
französisches Wort, das „Ermüdung“ oder „Mattigkeit“ bedeutet. Die normale Müdigkeit, die man abends, nach Gartenarbeit,
Sport oder anderen körperlichen Anstrengungen spürt, ist
am nächsten Morgen nach einer Nacht mit ausreichend Schlaf
vorbei. Anders bei Fatigue: Schlaf hilft dabei nicht. Das FatigueSyndrom kann oft Wochen bis Monate dauern, lange über den
Behandlungszeitraum hinaus, und beeinträchtigt die Lebensqualität Betroffener meist erheblich.
wRatgeber Fatigue
wPatienten-
Ausführliche Informationen dazu enthält die Broschüre ­„Fatigue
– Chronische Müdigkeit bei Krebs – Die blauen Ratgeber 51“
sowie der Patienten-Informationsfilm auf DVD „Fatigue” der
Deutschen Krebshilfe. Beides können Sie kostenlos bestellen
(Adresse siehe Seite 79).
Trotzdem möchten wir Sie und Ihre Angehörigen ermutigen:
Reden Sie ehrlich miteinander, damit Sie die Ängste gemeinsam
überwinden können.
wRatgeber
Hilfen für
Angehörige
Nähere Informationen finden Sie in der Broschüre „Hilfen für Angehörige – Die blauen Ratgeber 42“ der Deutschen Krebshilfe.
Sie können diese kostenlos unter der auf Seite 79 angegebenen
Adresse bestellen.
Wenn Ihre Behandlung zunächst einmal beendet ist, werden
Sie sich zunehmend mit den Folgen Ihrer Krebserkrankung und
vielleicht auch mit den späten Auswirkungen der Behandlung
beschäftigen.
Informationsfilm
Nach großen Operationen oder belastenden medikamentösen
Behandlungen haben Sie wahrscheinlich vor allem einen
Wunsch: Sie möchten sich zurückziehen, Ihre Ruhe haben und
sich von den Strapazen erholen. Manche Kranke sind auch
ängstlich oder niedergeschlagen.
Nehmen Sie am
­Leben teil
Wenn solche Gemütslagen Ihren Alltag allerdings zu lange
bestimmen, wird der Weg zurück ins „normale Leben“ immer
schwerer. Deshalb empfehlen wir Ihnen, möglichst frühzeitig
wieder am öffentlichen Leben, an Familienaktivitäten oder Festen teilzunehmen. Vielleicht gehen Sie erst stundenweise zu
Die Therapie kann auch vorübergehende oder bleibende körper­
liche Spuren hinter­lassen: Schmerzen, Narben, kosmetische
Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Haarausfall, Abwehr­
schwäche, operative Auswirkungen an Organen.
Normales Sexualleben durchaus
möglich
Schwierig ist es sicher, wenn die Therapie Ihr Sexual­leben beeinflusst. Dann ist es besonders wichtig, dass Sie mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner offen darüber reden, wie sie / er diese Veränderung empfindet. Vermutlich wird es einige Zeit dauern, bis
Sie beide Ihre Scheu, darüber zu sprechen, überwunden haben,
66 Prostatakrebs
Inkontinenz und
eingeschränkte
Erektionsfähigkeit
beeinträchtigen
die Lebensqualität
Prostatakrebs 67
aber dann werden ­Ihnen die Gespräche darüber gut tun. Kann
Ihnen trotz ­aller Bemühungen die Aussprache mit dem Partner
nicht weiterhelfen oder schaffen Sie es nicht, darüber zu reden,
holen Sie sich gemeinsam und vertrauensvoll fach­liche Hilfe
– etwa bei einer Paarberatungsstelle oder bei einem Psychoonkologen.
genauso aber nach erfolgreicher Behandlung. Ebenso wichtig
wie die Inkontinenz ist die eingeschränkte Sexualität, die sich
bei jeder Therapieform ergeben kann. Betroffen sind die Erektionsfähigkeit und die Ejakulationsfähigkeit.
Aus Untersuchungen zur Lebensqualität von Betroffenen nach
einer Prostatakrebsbehandlung (Operation und / oder Strahlen­
therapie) weiß man heute, dass es vor allem zwei Symptome
sind, die die Lebensqualität der betroffenen Männer beeinträchtigen: die über längere Zeit bestehende Inkontinenz sowie die
eingeschränkte Erektionsfähigkeit. Andere Nebenwirkungen sind
in der Regel spezifisch für die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten (eine operative Therapie bringt andere Nebenwirkungen
mit sich als eine strahlentherapeutische Therapie), aber diese
Symptome sind vorübergehend.
Sexualität besteht nicht nur aus Erektion und Samenerguss (wie
es manche Männer immer noch glauben), sondern aus einer Fülle
von Erlebnismöglichkeiten, die von Zärtlichkeit über Erotik auch
bis zum Geschlechtsverkehr reichen. Diese Erlebnisfähigkeit
bleibt erhalten.
Die Möglichkeiten zur Behandlung einer Inkontinenz sind bereits
beschrieben worden (siehe Seite 42). Bis die Kontinenz durch
Training wiedererlangt ist, behelfen sich die meisten betroffenen
Männer mit Einlagen, die den unkontrolliert abgehenden Urin
auffangen. Anfangs mag die Benutzung von solchen Einlagen ungewohnt, peinlich und „unmännlich” erscheinen („Ich bin doch
kein Baby, dass ich jetzt wieder Windeln tragen muss!”). Aus
Untersuchungen zur Lebensqualität wissen wir jedoch, dass sich
die meisten betroffenen Männer an diese Einschränkung des täglichen Komforts gewöhnen.
Dennoch gilt: Je größer die Inkontinenz, desto stärker die Ein­
bußen in der Lebensqualität.
In jedem Fall ist dies ein Thema, das Sie mit Ihrem behandelnden
Arzt besprechen sollten, und zwar vor Beginn der Behandlung,
Die sexuelle Erlebnisfähigkeit ist jedoch nur selten betroffen.
Viele Männer
sind verunsichert
Es bleibt dennoch festzuhalten, dass Veränderungen der sexuellen Funktion nach einer Prostatakrebsbehandlung viele Männer
zumindest anfänglich stark verunsichern. Für manche stellt das
Nachlassen der Erektionsqualität (Härte des Gliedes und ­Dauer
der Versteifung) geradezu einen Angriff auf ihr männliches
Selbstbewusstsein dar. Dies zeigen jedenfalls die bisherigen
­Untersuchungen zur Lebensqualität bei diesen Männern.
Sprechen Sie offen
mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner
Diese Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass das offene
Gespräch mit der und die Unterstützung durch die Partnerin /
den Partner wesentlich dazu beitragen, dass trotz funktioneller
Einschränkung eine liebevolle und auch ­sexuell befriedigende
Partnerschaft bestehen bleiben kann.
Auch hier gilt: Verschweigen Sie nicht schamvoll / ängstlich Ihre
Sorgen, sondern sprechen Sie offen darüber.
Reden Sie mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner, mit Ihrem Arzt, mit
einem Psychotherapeuten. Denn die größte Bedrohung der Lebensqualität für Patienten mit Prostatakrebs ist nicht die Erkrankung selbst oder die Behandlung, sondern der Umgang mit der
68 Prostatakrebs
Prostatakrebs 69
So können Sie mit psychischen Belastungen fertig werden
•• Werden Sie im Kampf gegen die Krankheit Partner Ihres Arztes. Besprechen Sie mit ihm die Behandlungsstrategie und
fragen Sie nach allem, was Ihnen unklar ist.
•• Denken Sie an die Menschen und Dinge, die Ihnen in der Vergangenheit Kraft und Hoffnung gegeben haben. Versuchen
Sie, Ihre Zeit mit diesen Menschen oder Dingen zu verbringen.
•• Wenn sich durch die Behandlung Ihr Aussehen verändert,
­denken Sie daran: Das Wichtigste an Ihnen ist Ihr inneres
­Wesen.Die Menschen, die Sie lieben und von denen Sie geliebt werden, wissen das.
•• Ihre Erkrankung verlangt Zeit zu heilen, körperlich und
­seelisch. Nehmen Sie sich viel Zeit für sich selbst.
•• Sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gefühle und
Ängste. Wenn Sie dies nicht mit Angehörigen oder Freunden
tun können oder wollen, nehmen Sie Kontakt zu ebenfalls
­Betroffenen auf. Kapseln Sie sich nicht ab.
•• Denken Sie positiv an die Zukunft!
•• Wenn Sie mit Ihren psychischen Belastungen nicht allein
fertig werden, nehmen Sie die Hilfe eines erfahrenen Psychoonkologen in Anspruch.
veränderten Lebenssituation: Der schweigende Rückzug („Ich
gehöre ja sowieso nicht mehr dazu ...“) bringt auf Dauer für den
Betroffenen und seine Angehörigen, aber auch für den behandelnden Arzt die meisten Probleme mit sich.
Ein offener, aktiver Umgang („Klar, es ist schwierig, aber wir
machen das Beste daraus“) mit den Krankheitsfolgen führt zu
besserer Lebensqualität.
Noch einmal zu den bisherigen Untersuchungen: Diejenigen
Patienten, die bei gleichem Krankheitsstadium eine gute Lebensqualität angaben, antworteten fast alle auf die Frage, was ihnen
am meisten geholfen habe: „Das Verständnis und die liebevolle
Unterstützung meiner Ehefrau / Partnerin / meines Partners /
meiner Familie”.
Das Leben verändert sich bei einer Krebserkrankung. Damit offen umzugehen, ist wichtig. Sich schweigend zurückzuziehen,
belastet dagegen Sie und Ihre Angehörigen. Liebevolle Unterstützung und ein verständnisvolles Miteinander durch den Partner oder die Familie werden Ihnen helfen, mit Ihrer Krankheit und
den Folgen der Behandlung besser fertig zu werden.
Seelsorger und
Therapeuten
­können helfen
Wir möchten Sie auch ermutigen, mit erfahrenen Seel­sorgern,
Psychotherapeuten oder einem Psychoonkologen zu sprechen.
Vielen fällt es leichter, einem „Fremden“ alle Sorgen und Nöte
zu schildern und dem Rat eines Menschen zu vertrauen, der die
­Probleme Krebsbetroffener aus seiner Arbeit kennt. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Sie psychisch krank sind, wenn
Sie diese Hilfe in Anspruch nehmen. Sie nutzen lediglich die
Chance, Ihre Krankheit aktiv zu verarbeiten.
Noch ein Tipp: Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Erkrankung und
verdrängen Sie sie nicht. Achten Sie aber darauf, dass sich Ihr
Leben nicht ausschließlich darum dreht, sondern gehen Sie so
weit wie möglich Ihren bisherigen Interessen nach.
Auch wenn es merkwürdig klingt: Viele Betroffene berichten,
dass ihr Leben durch die Krankheit intensiver wurde.
Leben Sie gesund
Die Behandlung Ihrer Krebserkrankung ist vermutlich sehr
­an­strengend und kostet Sie viel Kraft. Deshalb ist es wichtig,
dass Sie „auftanken“ und Ihrem Körper Gutes tun. Eine gesunde
­Le­bensweise hilft Ihnen dabei: zum Beispiel durch gesunde 70 Prostatakrebs
Prostatakrebs 71
Ernährung, ausreichend Bewegung und frische Luft. Kein Niko­
tin, wenig Alkohol und wenig Sonne tragen außerdem dazu bei,
dass Sie mit den Auswirkungen Ihrer Behandlung besser zurechtkommen.
wRatgeber
Ernährung
bei Krebs
Bewegung
und Sport
Männer – besonders kranke Männer – neigen dazu, sich einzuigeln. Das soziale Miteinander zu festigen, ist in der Gruppe mit
Prostatakrebs-Erkrankten deshalb besonders wichtig.
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Rehabilitationssport betreiben können. Dann kann er diesen verordnen.
Ausführliche Informationen und Tipps finden Sie in der Bro­
schüre „Ernährung bei Krebs – Die blauen Ratgeber 46“ der
Deutschen Krebshilfe (Bestelladresse Seite 79).
Jeder Krebsbetroffene hat das Anrecht auf Rehabilitationssport.
Die Krankenkassen unterstützen die Teilnahme an einer RehaSportgruppe für 18 Monate. Jedem betroffenen Kassenpatienten
stehen 50 Übungsstunden (mindestens jeweils 45 Minuten)
Rehabilitationssport in einem vom LandesSportBund oder vom
Behindertensportverband zertifizierten Sportverein zu.
Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Bewegung und Sport den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Zu
viel Ruhe führt dagegen zu Folgeerkrankungen – zum Beispiel
schwächt sie den gesamten Bewegungsapparat und das HerzKreislaufsystem.
Eine Bewegungstherapie sollte für jeden Betroffenen maßgeschneidert sein und schon im behandelnden Krankenhaus (Akutklinik) beginnen. In der Reha-Klinik und später zu Hause in Rehabilitations-Gruppen im Sportverein wird sie dann fortgeführt.
Diese spezialisierten Sportgruppen treffen sich regelmäßig. Eine
ärztliche Aufsicht ist jedoch nicht notwendig.
Anfangs ist es besonders wichtig, Herz und Kreislauf wieder „fit“
zu machen. Im Laufe der Zeit werden Übungen dazu kommen, die
helfen, dass Sie im Alltag wieder beweglicher werden. Untersuchungen haben ergeben, dass regelmäßige körperliche Aktivität
auch das körpereigene Abwehrsystem stärkt.
Männer mit Prostatakrebs können an vielen Spiel- und Übungsformen teilnehmen. Gymnastische Kräftigungs­übungen bilden
dabei den Schwerpunkt. Sie sollen vor ­allem die Beckenbodenmuskulatur kräftigen. Aber auch der Rücken und die Beine werden einbezogen.
wRatgeber
Bewegung und
Sport bei Krebs
Ausführliche Informationen enthält die Broschüre „Bewegung
und Sport bei Krebs – Die blauen Ratgeber 48“ der Deutschen
Krebshilfe (Bestelladresse siehe Seite 79).
72 Prostatakrebs
Prostatakrebs 73
Tumornachsorge
Rehabilitation und Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der
onkologischen Versorgung. Sie stellen die Verbindung zwischen der
Akutklinik zum Hausarzt und Facharzt her und damit zur dauerhaften
Betreuung und Begleitung. Viele Betroffene wenden sich zusätzlich
auch an eine Selbsthilfegruppe.
Wenn Sie die erste Behandlungsphase (Primärbehandlung) Ihrer
Krebs­erkrankung – also Operation und / oder Chemotherapie
und /oder Strahlentherapie – geschafft ­haben, beginnt die
nächste Phase: die Tumornachsorge.
Die Tumornachsorge hat zur Aufgabe
•• Rechtzeitig zu erkennen, wenn die Krankheit wieder auftritt
(Tumorrezidiv)
•• Begleit- oder Folgeerkrankungen festzustellen und zu behandeln sowie
•• Ihnen bei Ihren körperlichen, seelischen und sozialen Problemen zu helfen. Dazu gehört auch, dass Schäden oder Behinderungen, die durch die Krankheit entstanden sind, so weit
wie möglich behoben werden und Sie – sobald Sie dazu in der
Lage sind – wieder berufstätig sein können
Suchen Sie sich
einen Arzt Ihres
Vertrauens
Suchen Sie sich für die Nachsorge einen Arzt Ihres Vertrauens.
Dies sollte ein Urologe mit onkologischer Erfahrung sein oder
auch ein niedergelassener Arzt, der sich auf die Betreuung von Tumorpatienten spezialisiert hat (onkologische Schwer­
punktpraxis).
Wichtig ist vor allem, dass alle wichtigen Informationen zwischen der Klinik und dem Nachsorgearzt ausgetauscht werden.
Austausch aller
­Daten ist wichtig
Diese Daten werden von der behandelnden Klinik in Form von
medizinischen Berichten, die auch „Arztbrief“ oder „Epikrise“
genannt werden, so zusammengefasst, dass ein anderer Arzt sie
verstehen kann. Vielfach werden dabei auch weitere Unterlagen
eingearbeitet, zum Beispiel der Operationsbericht, der Befund
des Pathologen über die Art des Tumors oder die Ergebnisse der
Röntgenuntersuchungen.
Da sich die Nachsorge über einen längeren Zeitraum erstreckt,
kann es sein, dass Sie während dieser Zeit umziehen. Dann brauchen Sie an Ihrem neuen Wohnort auch einen neuen Arzt.
Damit dieser die Nachsorge fachgerecht durchführen kann,
muss er alle Einzelheiten der Primärbehandlung und der bereits
erfolgten Nachsorge-Untersuchungen kennen. Aus diesen Gründen empfehlen wir Ihnen, sich eine eigene „Materialsammlung“
anzulegen.
Diese Dokumente gehören als Fotokopie dazu
•• Operationsberichte
•• Histopathologische Befunde
•• Laborbefunde
•• Röntgenbefunde
•• Chemotherapieprotokolle
•• Berichte der Bestrahlungsbehandlung
•• Arztbriefe
•• Nachsorgeberichte
Aufnahmen von Röntgen- oder anderen bildgebenden Untersuchungen werden von modernen Kliniken nicht mehr auf Folie
belichtet, sondern elektronisch gespeichert. Die gespeicherten
Bilder können Sie sich auf eine CD brennen lassen. Grundsätzlich
sind Kliniken und Ärzte verpflichtet, ihren Patienten diese Unterlagen zu geben. Sie dürfen sich die Kopien allerdings bezahlen
74 Prostatakrebs
Prostatakrebs 75
lassen. Damit Ihre Behandlungsunterlagen vollständig sind,
lohnt sich diese Ausgabe aber auf jeden Fall.
Nehmen Sie die Termine für die Nachsorge-Untersuchungen
pünktlich wahr.
Rückfall kann
frühzeitig enteckt
werden
Ohne Ihnen Angst machen zu wollen: Es kann sein, dass sich
trotz der Behandlung noch Krebszellen in Ihrem Körper gehalten haben. Dann könnte die Krankheit wieder ausbrechen. Bei
den Nachsorge-Untersuchungen geht es daher auch um KrebsFrüherkennung: Ein Rückfall wird entdeckt, noch bevor er irgendwelche Beschwerden macht, und kann meistens rechtzeitig und
somit erfolgreich behandelt werden.
Abstände anfangs
kurz, später größer
Die Abstände zwischen den einzelnen Terminen liegen in den
ersten beiden Jahren etwa bei vier Monaten; danach hängen sie
von der jeweiligen Situation des Betroffenen und seinem Krankheitsverlauf ab. Letztendlich richten sich die Abstände überwiegend nach Ihrem Befinden und dem Verlauf Ihrer Erkrankung. Ihr
Arzt wird Ihnen genaue Auskunft darüber geben.
Allerdings sind auch Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen wichtig.
Die Nachkontrolle zeigt besonders, ob das Karzinom bei der
radikalen Prostata-Entfernung oder durch die Strahlentherapie
beseitigt werden konnte. Im besten Fall fällt das PSA gegen Null.
Ein Wiederanstieg des PSA zeigt eine mögliche Wiedererkrankung oder eine Metastasierung an. Dann werden Sie in der Regel
erneut behandelt (mit Bestrahlung, Operation, HIFU-Therapie
oder Hormontherapie), wobei die erste Therapieform berück­
sichtigt wird.
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Körperliche
Untersuchung
Bei den einzelnen Nachsorge-Untersuchungen wird Ihr Arzt Sie
zunächst ausführlich befragen, ob es seit der letzten Untersuchung irgendwelche Besonderheiten gegeben hat. Dazu kommt
die körperliche Untersuchung, bei der Blutdruck und Puls gemessen werden, das Körperprofil betrachtet und abgetastet wird.
Daneben wird Ihr Arzt die Prostataregion und den Mastdarm
untersuchen sowie Blut- und Harnuntersuchungen, Ultraschallkontrollen und Harnflussmessungen durchführen. Inwieweit
­dieses „Basisprogramm“ erweitert werden muss, hängt sehr
vom Einzelfall ab.
Ergibt die Blutuntersuchung, dass Ihr PSA-Wert ansteigt, besprechen Sie mit Ihrem Urologen, welche Behandlungsmöglichkeiten
es jetzt gibt. Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen wie
ein erneutes Knochenszintigramm oder auch moderne bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions–Tomographie
(PET) oder ein MRT mit Kontrastmittelgabe erforderlich, um das
weitere Vorgehen festzulegen.
Anschluss­
rehabilitation
An den Krankenhausaufenthalt kann sich direkt oder zeitnah
eine Anschlussrehabilitation (AR) anschließen. Dafür gibt es spezielle Rehabilitationskliniken, die sowohl mit den körperlichen
als auch mit den psychischen Problemen von Krebs-Patienten
vertraut sind. Hier können Sie wieder zu Kräften kommen; meistens wird auch der Ehepartner in die Betreuung einbezogen. Der
Antrag für die Anschlussrehabilitation muss bereits im Krankenhaus gestellt werden. Sprechen Sie den für Sie zuständigen Arzt
oder den Sozialdienst der Klinik darauf an – er wird Ihnen helfen.
76 Prostatakrebs
Prostatakrebs 77
Die meisten Krebskranken trifft die Diagnose völlig überraschend. Die Behandlung und alles, was sich daran anschließt,
die Befürchtung, dass das Leben früher als erwartet zu Ende sein
könnte, die praktischen, alltäglichen Folgen der Krankheit – all
das sind neue Probleme, die sich stellen.
Für viele ist dann der Kontakt zu anderen Betroffenen, die sie
zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe finden, eine große Hilfe.
Denn sie kennen die Probleme aus eigener Erfahrung und können
Ihnen mit Rat und Tat helfen.
Sie können Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen, wenn
Ihre Therapie abgeschlossen ist oder auch schon während der
Behandlungszeit. Wenn Ihnen Ihr Arzt oder das Pflegepersonal
im Krankenhaus bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe
nicht helfen kann, können Sie sich an den Bundesverband Pro­
statakrebs Selbsthilfe (BPS) wenden (die Adresse finden Sie auf
Seite 81). Hier bekommen Sie Adressen von Selbsthilfegruppen
in Ihrer Nähe sowie weitere Informationen. Oder wenden Sie sich
an den Informations- und Beratungsdienst der Deutschen Krebshilfe (Adresse und Telefon Seite 79).
Zurück in
den Alltag
Die Behandlung einer Krebserkrankung verändert das Leben des
Betroffenen und seiner Angehörigen. Danach wieder in den Alltag zurückzufinden, ist nicht immer leicht und oft eine große Herausforderung für den Krebskranken. Familie, Freunde, Kollegen,
Ärzte und eventuell auch andere berufliche Helfer, zum Beispiel
Sozialarbeiter, Mitarbeiter von kirchlichen Institutionen, Beratungsstellen sowie Psychologen können Sie dabei unterstützen.
Wenn Sie soweit wieder hergestellt sind, dass Sie berufstätig
sein können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Ihnen den Einstieg zu erleichtern oder krankheitsbedingte Nachteile wenigstens teilweise auszugleichen.
Wichtig ist, dass Sie die verschiedenen Möglichkeiten und Angebote kennen. Dann fällt es Ihnen leichter, Ihre Zukunft zu planen
und zu gestalten. Nehmen Sie die Hilfen, die Ihnen angeboten
werden, in Anspruch.
wRatgeber
Sozialleistungen
Dazu gehören auch verschiedene finanzielle Unterstützungen.
Informationen über Sozialleistungen, auf die Sie Anspruch haben, enthält der „Wegweiser zu Sozialleistungen – Die blauen
Ratgeber 40“ der Deutschen Krebs­hilfe. Sie können ihn kostenlos unter der auf Seite 79 angegebenen Adresse bestellen.
78 Prostatakrebs
Prostatakrebs 79
Hier erhalten Sie
Informationen und Rat
wInternetadresse
Immer wieder kommt es vor, dass Betroffene Probleme mit Behörden, Versicherungen oder anderen Institutionen haben. Die
Deutsche Krebshilfe darf zwar keine rechtliche Beratung geben,
aber oft kann ein Gespräch mit einem Mitarbeiter in der jeweiligen Einrichtung dabei helfen, die Schwierigkeiten zu beheben.
Die Deutsche Krebshilfe ist für Sie da: Sie hilft, unterstützt, berät und informiert Krebskranke und ihre Angehörigen – selbstverständ- lich kostenlos.
Die umfangreiche Datenbank des Informations- und Beratungsdienstes der Deutschen Krebshilfe enthält Adressen, die für Betroffene wichtig sind.
Der Informations- und Beratungsdienst hilft
Diese Adressen •
können Sie bei der Deutschen •
Krebshilfe be-
•
kommen
•
Tumorzentren oder onkologische Schwerpunktkrankenhäuser
in Ihrer Nähe, die Ihnen bei medizinischen Fragen weiterhelfen
Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen an Ihrem Wohnort
Adressen von Fachkliniken und Kliniken für Krebsnachsorgekuren
Palliativstationen und Hospize; wenn Sie zum Beispiel Fragen
zum Thema Schmerz haben, erhalten sie dort besonders fach- kundige Auskunft
Manchmal kommen zu den gesundheitlichen Sorgen eines
Hilfe bei finanzielKrebs­kranken noch finanzielle Probleme – zum Beispiel wenn
len Problemen
ein berufstätiges Familienmitglied statt des vollen Gehaltes
nur Krankengeld erhält oder wenn durch die Krankheit Kosten
entstehen, die der Betroffene selbst bezahlen muss. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Härtefonds der Deutschen
Krebshilfe Betroffenen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, einen einmaligen Zuschuss geben. Das Antragsformular
erhalten Sie bei der Deutschen Krebshilfe oder im Internet unter
www.krebshilfe.de/haertefonds.html.
Allgemeinverständliche
Informationen
wInternetadresse
Wer Informationen über Krebserkrankungen sucht, findet sie bei
der Deutschen Krebshilfe. Ob es um Diagnostik, Therapie und
Nachsorge einzelner Krebsarten geht oder um Einzelheiten zu
übergeordneten Themen wie Schmerzen, Palliativmedizin oder
Sozialleistungen: „Die blauen Ratgeber“ erläutern alles in allge­
meinverständ­licher ­Spra­che. Zu ausgewählten Themen gibt es
auch Informationsfilme auf DVD. Die Präventionsfaltblätter und
-broschüren informieren darüber, wie sich das Risiko, an Krebs
zu ­erkranken, weitgehend vermeiden lässt. Sie können alle
Drucksachen im Internet unter der Adresse www.krebshilfe.de
aufrufen und lesen beziehungsweise per E-Mail, Fax oder Post kostenlos bestellen.
wPatientenInformationsfilm
wPatienten leitlinien
Zu Prostatakrebs gibt es einen Patienten-Informationsfilm auf
DVD, den sie ebenfalls kostenlos bestellen können. Auch die Patientenleitlinien zum lokal begrenzten und zum ­fortgeschrittenen
Prostatakarzinom erhalten Sie bei der Deutschen Krebshilfe.
wAdresse
Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstraße 32 Postfach 1467
53113 Bonn 53004 Bonn
Zentrale:
02 28 / 7 29 90 - 0 (Mo bis Fr 8 – 17 Uhr)
Härtefonds:02 28 / 7 29 90 - 94 (Mo bis Do 8.30 – 17 Uhr, Fr 8.30 – 16 Uhr)
80 Prostatakrebs
Prostatakrebs 81
Informationsdienst:
Telefax:
E-Mail:
Internet:
Raucher-Hotline
02 28 / 7 29 90 - 95 (Mo bis Fr 8 – 17 Uhr)
02 28 / 7 29 90 - 11
[email protected]
www.krebshilfe.de
wInternetadresse
Dr. Mildred Scheel Akademie
für Forschung und Bildung gGmbH
Kerpener Straße 62
50924 Köln
Telefon: 02 21 / 94 40 49 - 0
Telefax: 02 21 / 94 40 49 - 44
E-Mail: [email protected]
Internet: www.krebshilfe.de/akademie
Weitere nützliche
Adressen
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. BPS
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Telefon: 02 28 / 33 88 9-500
Telefax: 02 28 / 33 88 9-510
Raucher-Hotline für Krebs-Betroffene und deren Angehörige
Telefon: 0 62 21 / 42 42 24 (Mo bis Fr 14 – 17 Uhr)
Internet: www.tabakkontrolle.de
Ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Krebshilfe und des
Deutschen Krebsforschungszentrums.
Dr. Mildred Scheel
Akademie
wAdresse
Betroffene, Angehörige, Ärzte, Pflegepersonal, Mitarbeiter in
Krebsberatungsstellen, Mitglieder von Krebs-Selbsthilfegruppen, Seelsorger, Psychotherapeuten, Studenten – wer immer
täglich mit Krebs und Krebskranken zu tun hat, kann an Seminaren in der Dr. Mildred Scheel Akademie für Forschung und
­Bildung teilnehmen. In unmittelbarer Nähe zu den Kölner Uni­
versitätskliniken bietet die von der Deutschen Krebshilfe ge­
gründete Weiterbildungsstätte ein vielseitiges Programm an.
Dazu gehören Fortbildungen zu ausgewählten Krebsarten so- wie zu Palliativ- und Hospizpflege, Seminare zur Konflikt- und
Stress­bewältigung, Verarbeitungsstrategien für den Umgang mit der Krankheit und den Kranken, Gesundheitstraining, Trauer
und Sterbebegleitung, Krankheit und Lebensgestaltung sowie
Kommunikationstraining. Das ausführliche Seminarprogramm steht im Internet unter www.krebshilfe.de/akademie. Dort können Sie sich auch an­
melden. Oder fordern Sie das gedruckte Programm an bei:
Alte Straße 4
30989 Gehrden
Telefon: 0 51 08 / 92 66 46
Telefax: 0 51 08 / 92 66 47
E-Mail: [email protected]
Internet: www.prostatakrebs-bps.de
Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie
5. Medizinische Klinik
Institut für Medizinische Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation
Klinikum Nürnberg Nord Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1
90491 Nürnberg
Telefon: 09 11 / 398-3056 (Mo bis Fr 9 – 12 Uhr und 14 – 16 Uhr)
Telefax: 09 11 / 398-3522
E-Mail: [email protected]
Internet: www.agbkt.de
82 Prostatakrebs
Prostatakrebs 83
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
TiergartenTower
Straße des 17. Juni 106 - 108
10623 Berlin
Telefon: 0 30 / 322 93 29 0
Telefax: 0 30 / 322 93 29 66
E-Mail: [email protected]
Internet: www.krebsgesellschaft.de
KID – Krebsinformationsdienst des
Deutschen Krebsforschungszentrums
Telefon: 0800 / 420 30 40 (täglich 8 – 20 Uhr,
kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
E-Mail: [email protected]
Internet: www.krebsinformationsdienst.de
Verein Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.
Dr. Lida Schneider
Güntherstr. 4a
60528 Frankfurt / Main
Telefon: 0 69 / 67 72 45 04
Telefax: 0 69 / 67 72 45 04
E-Mail: [email protected]
Internet: www.hilfe-fuer-kinder-krebskranker-eltern.de
Neutral und unabhängig informiert die Unabhängige Patienten­
beratung Deutschland (UPD) Patientinnen und Patienten bei
­Fragen zum Thema Gesundheit – in bundesweit 22 Beratungsstellen sowie über ein Beratungstelefon.
Unabhängige Patientenberatung Deutschland
Littenstraße 10
10179 Berlin
Telefon: 0800 / 0 11 77 22 (Mo bis Fr 10 – 18 Uhr,
kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
Internet: www.unabhaengige-patientenberatung.de
Internetseite zur
Krankenhaussuche
Eine Internetseite unterstützt Interessierte und Betroffene bei
der Suche nach dem für sie geeigneten Krankenhaus. Die ­Seite
www.weisse-liste.de liefert leicht verständliche Informationen
zur Krankenhausqualität und soll Patienten dabei helfen, die für
sie richtige Klinik zu finden. Mit einem Suchassistenten kann
jeder eine nach seinen Vorstellungen gestaltete Auswahl unter
den rund 2.000 deutschen Kliniken treffen. Ferner enthält die
Seite eine umgangssprachliche Übersetzung von mehr als 4.000
Fachbegriffen. Das Portal ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen.
Informationen im Internet
Immer häufiger informieren sich Betroffene und Ange­hörige im
Internet. Hier gibt es sehr viele Informationen, aber nicht alle davon sind wirklich brauchbar. Deshalb müssen – besonders wenn
es um Informationen zur ­Behandlung von Tumorerkrankungen
geht – gewisse (Qualitäts-)Krite­rien angelegt werden.
Anforderungen an Internetseiten
•• Der Verfasser der Internetseite muss eindeutig erkennbar sein
(Name, Position, Institution).
•• Wenn Forschungsergebnisse zitiert werden, muss die Quelle
(z.B. eine wissenschaftliche Fachzeitschrift) angegeben sein.
84 Prostatakrebs
Prostatakrebs 85
www.gesundheitsinformation.de
Patientenportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit
im Gesundheitswesen
•• Diese Quelle muss sich (am besten über einen Link) ansehen
beziehungsweise überprüfen lassen.
•• Es muss eindeutig erkennbar sein, ob die Internetseite finanziell unterstützt wird und – wenn ja – durch wen.
•• Es muss eindeutig erkennbar sein, wann die Internetseite aufgebaut und wann sie zuletzt aktualisiert wurde.
www.medinfo.de
Größter Webkatalog im deutschsprachigen Raum für Medizin
und Gesundheit, bietet systematisch geordnete und redaktionell
zusammengestellte Links zu ausgewählten Internetquellen
Auf den nachfolgend genannten Internetseiten finden Sie sehr
nützliche, allgemeinverständliche medizinische Informationen
zum Thema Krebs. Auf diese Seiten kann jeder zugreifen, sie sind
nicht durch Registrierungen oder dergleichen geschützt.
Allgemeine medizinische Informationen zu Krebs
www.agbkt.de
Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie
www.krebsinformationsdienst.de
KID – Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
www.studien.de
Therapiestudienregister der Deutschen Krebsgesellschaft
www.cancer.gov/cancerinfo
Amerikanisches National Cancer Institute; nur in Englisch
www.inkanet.de
Informationsnetz für Krebs-Patienten und Angehörige
www.cancer.org
American Cancer Society, aktuelle Informationen zu einzelnen
Krebsarten und ihren Behandlungsmöglichkeiten; nur in Englisch
www.krebs-webweiser.de
Informationen des Tumorzentrums Freiburg
www.meb.uni-bonn.de/cancer.gov/deutsch/ Informationen des US-amerikanischen Cancernet in Deutsch
www.patienten-information.de
Qualitätsgeprüfte Gesundheitsinformationen über unterschied­
liche Krankheiten, deren Qualität das ärztliche Zentrum für
­Qualität in der Medizin gemeinsam mit Patienten bewertet
www.krebs-aktuell.de
Online-Gesundheitsratgeber mit zahlreichen weiterführenden
Internetseiten
Informationen
zu Leben mit
Krebs und Nebenwirkungen
www.dapo-ev.de
www.vereinlebenswert.de
www.psychoonkologie.org
Drei Seiten mit Informationen über psychosoziale Beratung
www.bvz-info.de
Seite des Bundesverbandes der Zweithaar-Spezialisten e.V. u.a. mit Adressensuche qualifizierter Friseure
www.spffk.de
Seite des „Solidarpakts der Friseure für Krebspatienten“, der
sich als Interessengemeinschaft für Krebs-Patienten beim Thema
86 Prostatakrebs
Prostatakrebs 87
medizinische Zweithaarversorgung versteht; mit Adressen von
SPFfK-Kompetenzzentren
Informationen zu
Sozialleistungen
www.fertiprotekt.de
Seite des Deutschen Netzwerks für fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapien
www.deutsche-rentenversicherung.de
Deutsche Rentenversicherung u.a. mit Informationen zu Rente
und Rehabilitation
www.krebskreis.de
OnlineTreff für Krebs-Betroffene, Angehörige und Freunde mit
Informationen zum Thema Bewegung, Sport und Krebs
www.bmg.bund.de
Bundesministerium für Gesundheit mit Informationen zu den
Leistungen der Kranken-, Pflege- und Rentenkassen sowie zu
Pflegebedürftigkeit und Pflege
www.kinder-krebskranker-eltern.de
Beratungsstelle Flüsterpost e.V. mit Angeboten für Kinder,
­Jugendliche und Erwachsene
www.medizinrechts-beratungsnetz.de
Stiftung Gesundheit in Kiel; bundesweit kostenfreie Erstberatungen bei Konflikten zwischen Patienten und Ärzten sowie bei
Problemen mit Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung
www.hilfe-fuer-kinder-krebskranker-eltern.de
Verein Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.
www.medizin-fuer-kids.de
Die Medizinstadt für Kinder im Internet
www.onko-kids.de
Informations- und Kommunikationsseiten für krebskranke Kinder
und Jugendliche, ihre Geschwister und Familien
www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de
Umfangreiche Hinweise auf Kliniken und Patientenorganisationen, Linktipps und Buchempfehlungen; spezielle Informationen
zu Psychoonkologie und dem Fatigue-Syndrom
www.hospiz.net
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.
www.upd-online.de
Umfangreiche Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen,
Beratung in gesundheitsrechtlichen Fragen und Auskünfte zur
Gesundheitsversorgung
Arzt- und
Kliniksuche
www.weisse-liste.de
Unterstützt Interessierte und Patienten bei der Suche nach dem
für sie geeigneten Krankenhaus; mit Suchassistent zur individuellen Auswahl unter rund 2.000 deutschen Kliniken
www.kbv.de/arztsuche/ Datenbank der Kassenärztlichen Bundesvereinigungen zur
­Suche nach spezialisierten Ärzten und Psychologen
www.arztauskunft.de
Klinik-Datenbank mit rund 24.000 Adressen von mehr als 1.000
Diagnose- und Therapieschwerpunkten
88 Prostatakrebs
Erklärung von Fachausdrücken
Androgene
Männliche Geschlechtshormone; > Testosteron; > Prostata
Antiandrogene
Medikamente / Substanzen, die die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone ( > Androgene) hemmen
Antigen, Prostata-spezifisches (PSA)
Eiweiß, das nur in der > Prostata gebildet wird. Jede Erkrankung der Prostata – gut­artig,
bösartig und Entzündungen – kann zu PSA-Erhöhungen führen. Ein erhöhter PSA-Wert,
der zum Beispiel im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung erhoben wird, muss
als Hinweis auf eine mögliche Krebserkrankung gewertet werden und zu weiteren Untersuchungen führen; > Tumormarker
benigne
Gutartig; gutartige > Tumoren respektieren im Gegensatz zu bösartigen die natürlichen
­Gewebegrenzen. Sie können zwar sehr groß werden, wachsen aber nicht durchdringend in Nachbargewebe ein und bilden keine Tochtergeschwülste ( > Metastasen), Gegenteil
von > maligne
Biopsie
Mit einem Instrument (z.B. Spezialkanüle, Zangeninstrument oder Skalpell) wird Gewebe entnommen und mikroskopisch untersucht. Die genaue Bezeichnung richtet sich
entweder nach der Entnahmetechnik (z.B. Nadelbiopsie) oder nach dem Entnahmeort
(z.B. Schleimhautbiopsie).
Brachytherapie
Die Brachytherapie ist eine lokale > Strahlentherapie, bei der ionisierende Strahlungs­
quellen in das Tumorgewebe selbst eingebracht werden. Heute wird als Strahlenquelle
Prostatakrebs 89
üb­licherweise Jod 125 verwendet. Normalerweise wird die Strahlenquelle im Rahmen
eines stereotaktischen Eingriffs schonend in das Tumorgewebe eingebracht.
Chemotherapie
Behandlung mit chemischen Substanzen, die das Wachstum von Tumor­zellen im Orga- nismus hemmen. Der Begriff steht meistens speziell für die Bekämpfung von Tumor­
zellen mit Medikamenten, die die Zellteilung hemmen (zytostatische Chemo­therapie);
> Zytostatikum
Computertomographie (CT)
Spezielle Röntgenuntersuchung, die innere Organe im Bauch- und Brustraum, das
Schädel­innere und auch vergrößerte > Lymphknoten darstellen kann. Bei dem Verfahren wird ein Röntgenstrahl in einem Kreis um den liegenden Patienten herumgeführt,
und aus den empfangenen Röntgensignalen werden dann durch komplizierte Rechenverfahren Schnittbilder hergestellt. Diese Bilder zeigen den Körper im Querschnitt und informieren darüber, wo der > Tumor sich befindet und wie groß er ist. Auch die
Organe und deren Lage zueinander sind gut zu erkennen, ebenso vergrößerte Lymphknoten und mögliche Tochtergeschwülste.
Diagnostik
Sammelbegriff für alle Untersuchungen, die durchgeführt werden, um eine Krankheit
festzustellen
Drüse
Mehrzelliges Organ, das spezifische Wirkstoffe (Sekrete) bildet und diese nach ­außen
(z.B. in die Mundhöhle) oder nach innen direkt in die Blut- oder Lymphbahn abgibt
­(Hormondrüse wie z.B. die Schilddrüse)
Dysfunktion, erektile (ED)
Unfähigkeit, eine ausreichende Versteifung des Gliedes zu erreichen oder zu halten
(Erek­tionsstörung), kann beispielsweise die Folge einer Prostataentfernung sein
endorektal
Innerhalb des Mastdarms
90 Prostatakrebs
Endoskop
Ein mit einer Lichtquelle versehenes Instrument zur Untersuchung („Spiegelung“) von
Hohlorganen und Körperhöhlen, z.B. Darm, Magen, Bronchien; > Endoskopie
Endoskopie
Körperhohlräume und Hohlorgane lassen sich mit Hilfe eines beweglichen Schlauches
ausleuchten und betrachten („spiegeln“). In dem Schlauch steckt ein optisches System.
Während einer Endoskopie kann der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen ( > Biopsie) oder
sogar eine endoskopische Operation durchführen. Eine weiterführende > Diagnostik ist
durch die Kombination der Endoskopie mit Röntgenaufnahmen oder Ultraschall möglich.
Prostatakrebs 91
Histologie / histologisch
Wissenschaft und Lehre vom Feinbau biologischer Gewebe; ein hauchfeiner und speziell angefertigter Gewebeschnitt wird unter dem Mikroskop betrachtet und lässt sich
daraufhin beurteilen, ob eine gutartige oder bösartige Gewebswucherung ( > Tumor)
vorliegt. Gegebenenfalls gibt er auch Hinweise auf den Entstehungsort des Tumors.
Hormon
Botenstoff des Körpers, der in spezialisierten Zellen und Geweben hergestellt wird;
Hormone erreichen ihren Wirkort entweder auf dem Blutweg (hämatogen) oder auf dem
Lymphweg (lymphogen)
Enzyme
Eiweißstoffe im menschlichen Körper, die ganz verschiedene Aufgaben haben;
Enzymge­mische werden zum Beispiel von der Magen-Darm-Schleimhaut, von Leber,
Galle und Bauchspeicheldrüse produziert und werden dafür benötigt, Nahrungsstoffe
zu zerkleinern und zu verarbeiten
Hormontherapie
Behandlung, bei der man sich zunutze macht, dass bestimmte Tumorzellen hormonabhängig wachsen und man ihnen die „Nahrung“ entziehen kann; dabei wird entweder
die Bildung des entsprechenden > Hormons unterbunden oder die Empfangszellen auf
den Tumorzellen, die das Vorhandensein von Hormonen registrieren, werden blockiert.
exponentiell
Deutlich, nicht geradlinig gesteigert
Immunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem gegen Krankheiten; wesentliches Merkmal dieses
Abwehrsystems ist, dass es Krankheitserreger oder fremde Substanzen als „feindlich“
erkennen und Gegenmaßnahmen aktivieren kann
Fernmetastase
> Metastase
Gleason-Score (engl.)
System, mit dem die Zellen eines Prostatakrebses daraufhin beurteilt werden, wie sehr
sie sich vom normalen Gewebe unterscheiden. Geht zurück auf den amerikanischen
Pathologen Donald Gleason. Unterschieden werden fünf Stufen: Je höher der Wert ist,
desto bösartiger ist der > Tumor
Grading
Die Bösartigkeit von > Tumoren wird beurteilt nach Bewertungskriterien wie Ähnlichkeit
der Tumorzellen mit Zellen des Organs, aus dem der Tumor hervorgeht, oder der Zellteilungsrate im Tumor; > TNM-Klassifikation; > Gleason-Score
Karzinom
Geschwulst, die aus Deckgewebe (Epithel) entsteht; Karzinome besitzen viele Formen,
die sich z.B. in Bezug auf den Gewebeaufbau und das Wachstum unterscheiden: etwa
Adenokarzinom = von Drüsen ausgehend, Plattenepithelkarzinom = von Plattenepithel
tragenden Schleimhäuten ausgehend
Kastration
Entfernung der männlichen oder weiblichen Keimdrüsen (Hoden bzw. Eierstöcke), entweder durch Operation oder indem ihre Funktion zum Beispiel durch Medikamente ausgeschaltet wird (chemische Kastration)
92 Prostatakrebs
Prostatakrebs 93
Kernspintomographie, Magnetresonanztomographie (MRT)
Bildgebendes Verfahren, das die Magnetwirkung ausnutzt: Das Anlegen und Lösen
starker Magnetfelder ruft Signale des Gewebes hervor, die je nach Gewebeart unterschiedlich stark ausfallen. Verarbeitet ergeben diese Signale Schnittbilder mit einer
sehr hohen Auflösung. Bei diesem Verfahren kann Kontrastmittel gegeben werden, um
den > Tumor noch besser sichtbar zu machen. Diese Untersuchung findet in einem relativ engen Tunnel statt, den manche Menschen als beklemmend empfinden. Es dürfen
keine Metallgegenstände mit in den Untersuchungsraum genommen werden. Bei Menschen mit Herzschrittmachern oder Metallimplantaten (z.B. künstlichen Hüftge­lenken)
kann die Kernspintomographie nur im Einzelfall erfolgen.
maligne
Bösartig; solche > Tumoren respektieren im Gegensatz zu gutartigen ( > benigne) nicht
die natürlichen Gewebegrenzen, sondern wachsen verdrängend in andere Gewebe ein
und können Absiedelungen ( > Metastase) in entfernten Körperregionen bilden
Klassifizierung
Etwas in Klassen einteilen, einordnen
Östrogen / Antiöstrogen
Weibliches Geschlechtshormon, das Zellteilungs- und Wachstumseffekte an den weib­
lichen Geschlechtsorganen (z.B. Schleimhaut und Muskulatur der Gebärmutter, Brustdrüse) auslöst. Östrogen wird in den Eierstöcken, den Nebennieren und in geringem
Umfang im Fettgewebe gebildet. Antiöstrogene sind Substanzen, die die Wirkung der
natürlichen ­Östrogene hemmen und im Rahmen einer > Hormontherapie eingesetzt
werden können; > Hormon
Klimakterium
Wechseljahre
latent
Stumm, verborgen
Lymphe
Gewebewasser, das in einem eigenen Gefäßsystem zu den herznahen Venen transportiert wird und sich dort wieder mit dem Blut vermischt
Lymphknoten
Die linsen- bis bohnengroßen Lymphknoten sind an zahlreichen Stellen des Körpers
(Lymphknotenstationen) Filter für das Gewebewasser ( > Lymphe) einer Körperregion.
Sie beherbergen weiße Blutkörperchen (besonders Lymphozyten) mit wichtigen Ab­
wehr­funktionen und dienen als Filter für Bakterien und auch für Krebszellen. Somit sind
die Lymphknoten wichtiger Teil des > Immunsystems. Die oft verwendete Bezeichnung
Lymphdrüsen ist missverständlich, da die Lymphknoten keinerlei Drüsenfunktion be­
sitzen.
Metastase
Tochtergeschwulst, die entsteht, wenn Tumorzellen aus dem ursprünglichen Krankheitsherd verstreut werden; Fernmetastase: Metastase, die fern des ursprünglichen
> ­Tumors angetroffen wird. Eine Metastasierung kann über den Blutweg (hämatogen)
oder mit dem Lymphstrom (lymphogen) erfolgen.
palliativ
Leitet sich ab von lat. Pallium (der Mantel) bzw. von palliare (mit dem Mantel bedecken,
lindern). Die palliative Therapie hat besondere Bedeutung, wenn die Heilung eines
Krebs-Patienten nicht mehr möglich ist. Im medizinischen Bereich stehen eine inten- sive Schmerztherapie und die Linderung anderer krankheitsbedingter > Symptome im
Vordergrund.
Pathologe
Arzt, der u.a. entnommenes Gewebe und Zellen auf krankhafte Veränderungen untersucht
Phosphatase, alkalische
> Enzym, dessen Wert vor allem bei Knochenerkrankungen und -metastasen erhöht ist
94 Prostatakrebs
Prostatakrebs 95
physisch
Körperlich
psychisch
Seelisch
Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
Die Positronen-Emissions-Tomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Aktivität der Zellen durch eine Schichtszintigraphie sichtbar macht. Mit der PET lassen sich
z.B. Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven
Zellen unterscheiden. Bei der Untersuchung wird ein Stoff mit chemisch veränderten
Molekülen verabreicht, die der Körper bei vielen Stoffwechselprozessen umsetzt oder
als Energie­quelle braucht (so genannte Tracer, engl. to trace = ausfindig machen). Diese Teilchen sind mit einer leicht radioaktiven Substanz beladen, deren Spur durch die
besondere Technik der PET sichtbar wird. Auf diese Weise lassen sich vor allem auch
Tochtergeschwülste ( > Metastase) besser erkennen. Die PET-Untersuchung ist kein
Standardverfahren und wird deshalb in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt; > Szintigraphie
Pyelographie, intravenöse
Röntgenkontrastdarstellung des Nierenbeckens, der Nieren, der Harnleiter und der
­Blase; dabei wird ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel in die Vene gespritzt, das sich
im Urin anreichert. So werden die genannten Organe sichtbar
Primärtumor
Die zuerst entstandene Geschwulst, von der Tochtergeschwülste ( > Metastasen) ausgehen können
Prognose
Heilungsaussicht, Voraussicht auf den Krankheitsverlauf
Prostata
Vorsteherdrüse; kastaniengroßes Organ, das direkt unterhalb der Blase beim Mann
die Harnröhre umschließt und die Samenflüssigkeit produziert; > Antigen, Prostataspezifisches
Prostatahyperplasie, benigne
Gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse; typische Alterserkrankung
Prostatektomie
Operative Entfernung der Vorsteherdrüse; > Prostata
Radiotherapie
> Strahlentherapie
Rektum
Mastdarm; Endstück des Dickdarms, verbindet Dickdarm und Enddarm (After)
Resektion
Chirurgische Entfernung von krankem Gewebe – zum Beispiel Tumorgewebe – durch
eine Operation
Resektion, transurethrale (TUR)
Mit Hilfe eines > Endoskops wird ein > Tumor durch die Harnröhre entfernt; der Tumor
wird durch eine Hochfrequenz-Strom führende Schlinge abgetragen
Rezidiv
„Rückfall“ einer Krankheit, im engeren Sinn ihr Wiederauftreten nach einer erscheinungsfreien (symptomfreien) Periode
Schwellkörperautoinjektion-Therapie (SKAT)
Methode, um eine Erektion auszulösen; dabei werden Medikamente in den Penis­
schwell­körper gespritzt
Screening
(engl. screen = Bildschirm / durchsieben); Reihenuntersuchung einer Bevölkerungsgruppe, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen (z.B. Mammographie-Screening)
96 Prostatakrebs
Prostatakrebs 97
Seeds
Kleine, radioisotopenhaltige Nadeln oder Körner, die bei der inneren Bestrahlung zum
Einsatz kommen; > Strahlentherapie
Testosteron
Männliches Geschlechtshormon, das in den Hoden produziert wird; reguliert die männ­
lichen Geschlechts­organe, -merkmale und -funktionen; > Androgene
Sonographie
Therapie
Kranken-, Heilbehandlung
> Ultraschalluntersuchung
Stadieneinteilung (Staging)
Bei bösartigen > Tumoren wird die Ausbreitung innerhalb des Entstehungsorgans in die
Nachbarorgane und in andere Organe festgelegt, wobei die Größe des ursprünglichen
Tumors ( > Primärtumor), die Zahl der befallenen > Lymphknoten und die > Metastasen
­formelhaft erfasst werden. Das Staging dient der Auswahl der am besten geeigneten
Behandlung; > TNM-Klassifikation; Grading
Strahlentherapie (Radiotherapie)
Behandlung mit ionisierenden Strahlen, die über ein spezielles Gerät (meist Linearbeschleuniger) in einen genau festgelegten Bereich des Körpers eingebracht werden. So
sollen Tumorzellen zerstört werden. Die Bestrahlungsfelder werden vorab so geplant
und berechnet, dass die Dosis in der Zielregion ausreichend hoch ist und gleichzeitig
gesundes Gewebe bestmöglich geschont wird. Man unterscheidet die interne Strahlentherapie (Spickung / Afterloading-Verfahren mit radioaktiven Elementen) und die externe Strahlentherapie, bei der der Patient in bestimmten, genau festgelegten Körper­
regionen von ­außen bestrahlt wird.
Symptom
Krankheitszeichen
Szintigraphie / Szintigramm
Untersuchung und Darstellung innerer Organe mit Hilfe von radioaktiv markierten
Stoffen; in einem speziellen Gerät werden dabei von den untersuchten Organen durch
aufleuchtende Punkte Bilder erstellt, die zum Beispiel als Schwarzweißbilder auf Röntgenfilmen dargestellt werden können. Anhand des Szintigramms kann man auffällige
Bezirke sehen und weitere Untersuchungen einleiten. Diese Methode wird oft zur Suche
nach > Metastasen in den Knochen eingesetzt; Skelettszintigraphie
Therapie, endokrine
> Hormontherapie
TNM-Klassifikation
Internationale Gruppeneinteilung bösartiger > Tumoren nach ihrer Ausbreitung. Es bedeuten: T = Tumor, N = Nodi (benachbarte > Lymphknoten), M = Fernmetastasen. Durch
Zuordnung von Indexzahlen werden die einzelnen Ausbreitungsstadien genauer beschrieben. Ein > Karzinom im Frühstadium ohne Metastasierung würde z.B. als T1N0M0
­bezeichnet; > Metastase
transurethral
Durch die Harnröhre
Tumor
Allgemein jede umschriebene Schwellung (Geschwulst) von Körpergewebe; im engeren
­Sinne gutartige oder bösartige, unkontrolliert wachsende Zellwucherungen, die im gesamten Körper auftreten können; > maligne; > benigne
Tumormarker
Stoffe, deren Nachweis oder genauer gesagt erhöhte Konzentration im Blut einen Zusammenhang mit dem Vorhandensein und / oder dem Verlauf von bösartigen > Tumo­
ren aufweisen kann. Diese Tumormarker sind jedoch nicht zwangsläufig mit dem Auftreten eines Tumors verbunden und können in geringen Mengen (Normalbereich) auch
bei Gesunden vorkommen. Sie eignen sich deshalb nicht so sehr als Suchmethode zur
Erstdiagnose eines Tumors, sondern besonders für die Verlaufskontrollen von bekannten Tumorleiden.
98 Prostatakrebs
Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Diagnosemethode, bei der Ultraschallwellen durch die Haut in den Körper eingestrahlt
werden, so dass sie an Gewebs- und Organgrenzen zurückgeworfen werden. Die zurückgeworfenen Schallwellen werden von einem Empfänger aufgenommen und mit
Hilfe eines Computers in entsprechende Bilder umgewandelt. Man kann mit dieser Methode die Aktionen beweglicher Organe (z.B. Herz oder Darm) verfolgen. Eine Strahlenbelastung tritt nicht auf.
Zytologie
Lehre vom Bau und den Funktionen der Zellen
Zytostatikum (Pl. Zytostatika)
Medikament, das das Wachstum von Tumorzellen hemmt, aber auch gesunde Zellen in
gewissem Ausmaß schädigen kann. Ziel ist dabei, die Zellteilung zu verhindern; Zyto­
statika werden in einer > Chemotherapie eingesetzt
Prostatakrebs 99
Anhang
Kontinenztraining für Männer nach Prostata-Entfernung
Dieses Übungsprogramm soll Ihnen dabei helfen, dass Sie Ihren Urin wieder halten
­ önnen. Allerdings ist dies nur ein erster Einstieg in das Kontinenz­training.
k
Es kann selbstverständlich die Behandlung durch einen qualifizierten Physiothera­
peuten – möglichst im Rahmen eines Aufenthaltes in einer urologischen Rehabilita­
tionsklinik – nicht ersetzen.
Das Kontinenztraining ist zentraler Teil eines Konzepts, das individuell auf den einzelnen
Betroffenen abgestimmt wird und sich aus verschiedenen Elementen zusammensetzt:
aus Einzel- und Gruppentraining, Reiz- und Hochfrequenzstrombehandlung, Entspannungsübungen (Muskelrelaxation nach Jacobson), psychologischer beziehungsweise
psychiatrischer Mitbetreuung, begleitender Bewegungstherapie und medikamentöser
Behandlung sowie elektronischem, sonographischem oder videoendoskopischem Biofeedback.
Bei diesem Biofeedback wird mit Hilfe empfindlicher Messgeräte die jeweilige Muskelanspannung gemessen und dem Betroffenen über Leuchtdioden oder eine Anzeige mitgeteilt. Diese Technik ermöglicht somit ein feinfühligeres Üben. Eine Überbeanspruchung
oder eine Unterforderung der Muskulatur lässt sich damit vermeiden.
Wie Ihr Arzt Ihnen sicher erklärt hat, ist die Ursache dafür, dass Sie vorübergehend den
Urin nicht halten können (inkontinent sind), die radikale Ent­fernung der Prostata. Durch
diesen Eingriff wurde die Funktion des verbliebenen Harnröhrenschließmuskelsystems
beeinträchtigt. Es ist nicht, wie oft angenommen, eine Schwäche der gesamten Beckenbodenmuskulatur.
Versuchen Sie deshalb, sich während des Trainings so gut wie möglich auf das Schließmuskelsystem der Harnröhre zu konzentrieren.
100 Prostatakrebs
Prostatakrebs 101
Neuesten Untersuchungen zufolge ist der Muskelmechanismus, der die Harnröhre und
die Harnblase bei Männern verschließt, wie folgt aufgebaut
•• Der Harnblasenauslass besteht aus dem Harnblasenschließmuskel. Dieser Muskel
wird unbewusst gesteuert.
•• Im Bereich der Harnröhre befindet sich ein zweites System, das aus ­einem unbewusst gesteuerten inneren Anteil und einem bewusst zu steuernden äußeren Anteil
besteht. Beim Mann befindet sich dieses Muskelsystem unterhalb der Prostata.
wenn die Operation mindestens zwei Monate zurückliegt. Drei Monate nach der Operation ist die Wundheilung im Allgemeinen abgeschlossen. Dann dürfen Sie alle ­Muskeln
wieder voll einsetzen. Haben sich bei der Heilung Verzögerungen ergeben, müssen Sie
damit allerdings noch warten. Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt um Rat.
Die Harnröhrenschließmuskel sind durch eine bindegewebige Schicht von der Becken­
bodenmuskulatur getrennt.
Keine der Übungen darf Schmerzen verursachen oder bestehende Schmerzen verstärken.
Bei der Entfernung der Prostata wird auch der Harnblasenschließmuskel am Auslass der
Harnröhre entfernt. Bei der Übungstherapie kommt es deshalb besonders darauf an, das
verbliebene Harnröhrenschließmuskelsystem zu trainieren, damit es die Funktion des
entfernten Muskels übernehmen kann.
Der Beginn der Übungen sollte nicht zu lange hinausgeschoben werden. Allerdings ist
es bei frisch operierten Patienten auch wichtig, die gerade erst begonnene Wundheilung nicht durch zu intensive Übungen zu stören.
Auch wenn das Training für jeden Betroffenen individuell gestaltet wird, so gibt es doch
Gesetzmäßigkeiten, wie das Training idealerweise aussehen sollte. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwei Zeitphasen der Behandlung:
Die erste Phase dauert etwa vom fünften Tag – beziehungsweise vom Tag, an dem der
Katheter entfernt wurde – bis zum einundzwanzigsten Tag nach der Operation. Innerhalb dieser Zeit sollen die Belastungen langsam und ­all­mählich gesteigert werden: von
ganz leichten Anspannungen, die etwa zehn Prozent der maximal möglichen Kraft entsprechen, bis zu Anspannungen, die etwa 50 Prozent der maximalen Kraft entsprechen.
Wichtig: Keine der Übungen darf Schmerzen verursachen oder bestehende Schmerzen
verstärken!
Die Intensität der Anspannungen darf in der zweiten Phase langsam von 50 Prozent auf
100 Prozent gesteigert werden. Ein Training mit voller Kraft sollte allerdings erst erfolgen,
Die Übungen in der Praxis
Vor Beginn der praktischen Übungen noch einmal der deutliche Hinweis:
Seien Sie bei Beginn der Übungen besonders vorsichtig, insbesondere wenn Sie erst vor
einigen Wochen operiert worden sind. Beachten sie unbedingt die oben beschriebenen
Zeitphasen der Wundheilung.
Atmen Sie bei allen Übungen ruhig und gleichmäßig.
Finden Sie Ihren Schließmuskel
Um Ihren Schließmuskel trainieren zu können, müssen Sie ihn zuerst im Körper „er­
fühlen“. Die folgenden Tests können Ihnen dabei helfen:
Übung 1
• Versuchen Sie, auf der Toilette den Urinstrahl zu unterbrechen.
Achten Sie darauf, in welchem Bereich Sie dabei anspannen.
Dies ist genau der Muskel, den Sie bei den Übungen trainieren ­
müssen. Wenn Sie das Gefühl für diesen Bereich entwickelt
­haben, lassen Sie den Urin in Zukunft wieder normal und ohne
zu stoppen ablaufen.
• Versuchen Sie, sich an eine Situation in der Vergangenheit zu erinnern, in der Sie Urin einhalten mussten und dies auch
konnten (Kino, Busfahrt, Stau auf der Autobahn). Können Sie
sich an Einzelheiten erinnern? Wo spürten Sie damals eine
Anspannung?
102 Prostatakrebs
Prostatakrebs 103
Trainieren Sie Ihre Harnblase
Ziel dieser Übung ist es, die Harnblase wieder auszudehnen und die von Ihnen nicht
bewusst angespannten Teile des Schließmuskelsystems anzuregen.
Übung 2
•
Versuchen Sie, mindestens einmal am Tag die Harnblase so
gut wie möglich zu füllen. Wichtig ist, dass Sie nicht sofort jedem Harndrang nachgeben und zur Toilette gehen, sondern erst bei stärkerem Harndrang. Führen Sie Ihr „Ausdauer- training“ zunächst im Liegen durch, später auch im Sitzen und Stehen.
Das hat folgenden Hintergrund: Die Harnblase ist ein aus Muskeln bestehendes Hohl­
organ, dessen Fassungsvermögen größer oder kleiner sein kann. Ein „trainiertes“ Organ
kann mehr, ein „untrainiertes“ weniger Urin aufnehmen. Wenn Sie die Zeitabstände
­zwischen den Toilettengängen verlängern (Miktionsintervalle), trainieren Sie die Muskulatur der Harnblase und vergrößern so deren Fassungsvermögen. Auf diese Weise
müssen Sie ­seltener zur Toilette, was vor allem für Ihre Nachtruhe von Bedeutung ist.
Langfristig ist es wünschenswert, dass Sie 250 bis 400 Milliliter Urin in Ihrer Harnblase
speichern können.
Sorgen Sie im Bereich des Harnröhrenschließmuskels für bessere Durchblutung
Ziel dieser Übung ist es, dass dieser Bereich des Körpers gut durchblutet wird.
Welche Teile Ihres Körpers Sie auch immer trainieren wollen: Diese Be­reiche brauchen
nicht nur Kraft, sondern sie müssen auch mit den anderen Teilen Ihres Körpers „zusammenarbeiten“ (Koordination). In jedem guten Trainingsprogramm nimmt deshalb die Verbesserung der Koordination eine herausragende Stellung ein und ist damit mindestens
genauso wichtig wie die Verbesserung der Kraft.
In den folgenden Übungen trainieren Sie Ihren Harnröhrenschließmuskel, ­indem Sie ihn
verschieden stark anspannen. Verstehen Sie unter den angegebenen Prozentzahlen nur
einen ungefähren Hinweis auf die Intensität, mit der Sie Ihren Schließmuskel anspannen sollen. Sicherlich ist es nicht möglich, die Spannungsintensität mit einer exakten
Zahl gleichzusetzen. Bitte beachten Sie unsere weiter oben stehenden Hinweise auf die
Wundheilung. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie mit diesen Übungen schon anfangen können oder sollen, fragen Sie Ihren Arzt.
Trainieren Sie Ihren Harnröhrenschließmuskel
Ziel dieser Übungen ist es, die Koordination Ihres Harnröhrenschließmuskels zu verbessern.
Übung 4
•
Übung 3
•
•
Legen Sie sich bequem auf den Rücken. Spannen Sie den von
Ihnen inzwischen gut erspürbaren Schließmuskel für eine Se- kunde ganz leicht an und entspannen Sie dann für eine Sekun- de. Führen Sie diesen Wechsel von Anspannen und Entspannen eine Minute lang durch. Pausieren Sie danach für etwa 20 Sekunden und entspannen Sie sich durch bewusstes Atmen.
Machen Sie die Übung fünfmal am Tag.
Lernen Sie, die Intensität der Anspannung des Harnröhren­schließ­muskels langsam und stufenweise zu steigern. Je länger Sie üben, desto besser werden Sie folgende Span- nungsstufen von einander unterscheiden können:
• Ganz leichte Spannung = zirka 10 Prozent der max. Kraft
• Etwas festere Spannung = zirka 30 Prozent der max. Kraft
• Etwa halbe Kraft
= zirka 50 Prozent der max. Kraft
• Intensive Spannung
= zirka 70 Prozent der max. Kraft
• Maximale Spannung
= zirka 100 Prozent der max. Kraft
• Halten Sie beim Üben jede Spannungsstufe 2 bis 3 Sekunden.
• Übungszeit: etwa 5 Minuten pro Tag.
104 Prostatakrebs
Übung 5
•
•
•
Prostatakrebs 105
Sie bleiben nun im unteren bis mittleren Kraftbereich der Anspannung. Trainieren Sie, die Spannung möglichst gut zu spüren und fein abzustufen. Wechseln Sie beliebig die Span- nung zwischen 10 Prozent und 60 Prozent. Zum Beispiel: 10 - 30 - 20 - 40 - 60 - 50 - 10 - 20 - 30 [in Prozent]
Wichtig: Es kommt bei dieser Übung nicht darauf an, dass Sie
die Prozentzahlen ganz genau erreichen. Sie geben Ihnen lediglich einen ungefähren Hinweis darauf, wie intensiv Sie die Muskeln anspannen sollen.
Übungszeit: etwa 5 Minuten pro Tag.
100
%
80
100
%
80
60
40
20
0
Die Abbildung zeigt eine graphische Darstellung der Übung 5.
60
40
20
0
Die Abbildung zeigt eine graphische Darstellung der Übung 4.
Nach einiger Zeit können Sie die zuvor beschriebenen Übungen durch ein gezieltes
Krafttraining ergänzen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die hier
beschriebene Übungsanzahl ausreichend ist, um einen Muskel zu kräftigen. Bitte beachten Sie auch in diesem Fall wieder unsere weiter oben stehenden Hinweise auf die Wund­
heilung. Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt.
Dosieren Sie das Krafttraining besonders am Anfang sehr vorsichtig, da die Gefahr, den
Schließmuskel zu überlasten, relativ groß ist.
Beginnen Sie eventuell mit weniger Wiederholungen als unten aufgeführt. Gönnen Sie
Ihrem Schließmuskel in jeder Woche ein bis zwei Tage Pause, an denen Sie kein Kraft­
training durchführen.
106 Prostatakrebs
Prostatakrebs 107
Ergänzen Sie Krafttraining
Nutzen Sie das Erlernte im Alltag
Mit dieser Übung kräftigen Sie Ihre Muskeln.
Übung 7
• Die Abbildungen zeigen, wie es geht: Stehen Sie vom Stuhl auf
mit angespanntem Schließmuskel, gerader Wirbelsäule und ohne die Luft anzuhalten.
Übung 6
•
•
•
•
Zum Aufwärmen führen Sie Übung 3 eine Minute lang durch.
Für das nun folgende Krafttraining spannen Sie die Schließ- muskulatur an, indem Sie sich vorstellen, Sie müssten den Urin einhalten. Lassen Sie alle anderen Muskeln möglichst locker!
Spannen Sie so schnell und so fest (100 Prozent) an, wie Sie können. Halten Sie diese Spannung für 2 bis 3 Sekunden. Führen Sie die Übung fünfmal durch. Machen Sie zwi- schen den einzelnen Anspannungen 30 Sekunden Pause.
Spannen Sie mit 70 Prozent Ihrer maximalen Kraft und mittlerer Geschwindigkeit an. Halten Sie diese Spannung für 10 Sekunden. Führen Sie die Übung fünfmal durch. Machen Sie zwischen den einzelnen Anspannungen 10 Sekunden Pause.
Spannen Sie mit 40 Prozent Ihrer Kraft langsam an und halten Sie die Spannung für 20 bis 30 Sekunden. Führen Sie die Übung fünfmal durch. Machen Sie zwischen den einzelnen Anspannungen 20 Sekunden Pause.
Unser Tipp: Am besten machen Sie das Krafttraining immer abends, damit sich Ihr
Harnröhrenschließmuskel in der Nacht erholen kann.
Meistens sind es alltägliche Situationen, in denen Sie nach Ihrer Prostata-Operation
ungewollt Urin verlieren. Gerade für diese Situationen können und sollen Ihnen die zuvor
beschriebenen Übungen Hilfe bringen. Wenn Sie Ihr Training regelmäßig und konsequent
durchführen, wird es sicher nicht lange dauern, bis es Ihnen zur Selbstverständlichkeit
geworden ist, Ihren Schließ­muskel anzuspannen: bevor Sie husten, niesen, lachen, vom
Stuhl auf­stehen, eine hohe Stufe heruntersteigen, etwas anheben und so weiter. Richten
Sie die Wirbelsäule dabei möglichst gerade auf und halten Sie die Luft nicht an.
Damit Ihnen das Training nicht langweilig wird, haben wir Ihnen für eine ­Woche einen
Übungsplan zusammengestellt. An dieser Stelle noch einmal der deutliche Hinweis: Auch beim Kontinenztraining macht Übung den „Meister“. Trainieren Sie konsequent und regelmäßig, aber überanstrengen Sie Ihren Schließmuskel auch nicht!
108 Prostatakrebs
Prostatakrebs 109
Quellenangaben
Vorschlag für die Gestaltung einer Trainingswoche
Am VormittagIm Tages-Am AbendFreie Zeitwahl
verlauf
Koordination
Krafttraining
Harnblasen
training
Montag
Übung 4
ALLTAG*
Übung 6
Übung 3
Übung 2
Dienstag
Übung 5
ALLTAG*
Übung 6
Übung 3
Übung 2
Mittwoch
ALLTAG*
Übung 6
Übung 3
Übung 2
Donnerstag
Übung 4
ALLTAG*
Übung 6
Übung 3
Übung 2
Freitag
Übung 5
ALLTAG*
Übung 6
Übung 3
Übung 2
Samstag
ALLTAG*
Übung 6
Übung 2
Übung 3
Sonntag
Kein Training
* ALLTAG = machen Sie bei entsprechenden Alltagsaktivitäten Übung 7
Weiterführende Literatur
Ide W., Vahlensieck W., Die Harninkontinenz beim Mann, Pflaum, München, Bad Kissingen, Berlin, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage (2003)
Zur Erstellung dieser Broschüre wurden die nachstehend aufgeführten Informationsquellen herangezogen*:
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•• Dall‘EraMA, Cooperberg MR, Chan JM, et al: Active surveillance for early-stage prostate cancer: review of the current literature. Cancer 112:1650-9, 2008.
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110 Prostatakrebs
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*Diese Quellen sind nicht als weiterführende Literatur für Betroffene gedacht, sondern dienen als
­Nachweis des wissenschaftlich abgesicherten Inhalts des Ratgebers.
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Informationen für Betroffenen und Angehörige
Die blauen Ratgeber (ISSN 0946-4816)
001 Ihr Krebsrisiko – Sind Sie gefährdet?
043 Patienten und Ärzte als Partner
002 Brustkrebs
046 Ernährung bei Krebs
003 Krebs der Gebärmutter und Eierstöcke
048 Bewegung und Sport bei Krebs
004 Krebs bei Kindern
049 Kinderwunsch und Krebs
005 Hautkrebs
050 Schmerzen bei Krebs
006 Darmkrebs
051 Fatigue. Chronische Müdigkeit bei Krebs
007 Magenkrebs
053 Strahlentherapie
008 Gehirntumoren
057 Palliativmedizin
009 Krebs der Schilddrüse
060 Klinische Studien
010 Lungenkrebs
011 Krebs im Rachen und Kehlkopf
Die blaue DVD (Patienten-Informationsfilme)
012 Krebs im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich
202 Brustkrebs
013 Krebs der Speiseröhre
203 Darmkrebs
014 Krebs der Bauchspeicheldrüse
208 Hodgkin Lymphom
015 Krebs der Leber und Gallenwege
209 Prostatakrebs
016 Hodenkrebs
210 Hautkrebs
017 Prostatakrebs
219 Strahlentherapie
018 Blasenkrebs
223 Fatigue
019 Nierenkrebs
226 Palliativmedizin
020 Leukämie bei Erwachsenen
230 Leben Sie wohl. Hörbuch Palliativmedizin
021 Hodgkin Lymphom
022 Plasmozytom / Multiples Myelom
040 Wegweiser zu Sozialleistungen
041 Krebs-Wörterbuch
042 Hilfen für Angehörige
Name:
Straße:
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Geschlecht:
53113 Bonn
Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstraße 32
„Deutsche Krebshilfe“ ist eine eingetragene Marke (DPMA Nr. 396 39 375).
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Die Deutsche Krebshilfe ist eine gemeinnützige Organisation, die ihre Aktivitäten ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert. Öffentliche Mittel
stehen ihr nicht zur Verfügung. In einer freiwilligen Selbstverpflichtung hat sich die
­Organisation strenge Regeln auferlegt, die den ordnungsgemäßen, treuhänderischen
Umgang mit den Spendengeldern und ethische Grundsätze bei der Spendenakquisition
betreffen. Dazu gehört auch, dass alle Informationen der Deutschen Krebshilfe neutral
und unabhängig sind.
Kannten Sie die Deutsche Krebshilfe bereits?
Wie alle Schriften der Deutschen Krebshilfe wird auch diese Broschüre von ­namhaften
onkologischen Spezialisten auf ihre inhaltliche Richtigkeit überprüft. Der Inhalt wird
jährlich aktualisiert. Der Ratgeber richtet sich in erster Linie an medizinische Laien und
erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er orientiert sich an den Qualitätsrichtlinen
DISCERN und Check-In für Patienteninformationen, die Betroffenen als Entscheidungs­
hilfe dienen sollen.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Informationen in dieser Broschüre sollen Ihnen helfen, Ihrem
Arzt gezielte Fragen über Ihre Erkrankung stellen zu können und
mit ihm gemeinsam über eine Behandlung zu entscheiden.
Konnte unser Ratgeber Ihnen dabei behilflich sein? Bitte beantworten Sie hierzu die umseitigen Fragen und lassen Sie uns die
Antwortkarte baldmöglichst zukommen. Vielen Dank!
114 Prostatakrebs
017 0071
PLZ | Ort:
Straße:
Ich interessiere mich für den Mildred-Scheel-Kreis,
den Förderverein der Deutschen Krebshilfe.
(Dafür benötigen wir Ihre Anschrift)
1 stimmt vollkommen
3 stimmt teilweise
5 stimmt nicht
2 stimmt einigermaßen
4 stimmt kaum
Name:
Das hat mir in der Broschüre gefehlt
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5
Bücherregal im Wartezimmer
Apotheke
Selbsthilfegruppe
Deutsche Krebshilfe
Vom Arzt persönlich
Krankenhaus
Angehörige / Freunde
Internetausdruck
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Unter diesem Motto setzt sich die Deutsche Krebshilfe für die Belange krebskranker Menschen ein. Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation am 25. September 1974. Ihr Ziel ist es, die
Krebskrankheiten in all ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Die Deutsche Krebshilfe finanziert ihre Aktivitäten ausschließlich
aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen der Bevölkerung. Sie
erhält keine öffentlichen Mittel.
Zu Untersuchungsverfahren
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Zur Wirkung der Behandlungsverfahren
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Zum Nutzen der Behandlungsverfahren
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Zu den Risiken der Behandlungsverfahren
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Zur Nachsorge
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Der Text ist allgemein verständlich
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Ich habe die Broschüre bekommen
Interessierter
Angehöriger
Betroffener
Ich bin
Die Broschüre hat meine Fragen beantwortet
Sagen Sie uns Ihre Meinung
Helfen. Forschen. Informieren.
• Information und Aufklärung über Krebskrankheiten sowie die Möglichkeiten der Krebsvorbeugung und -Früherkennung
• Verbesserungen in der Krebsdiagnostik
• Weiterentwicklungen in der Krebstherapie
• Finanzierung von Krebsforschungsprojekten / -programmen
• Gezielte Bekämpfung der Krebskrankheiten im Kindesalter
• Förderung der medizinischen Krebsnachsorge, der psychosozialen Betreuung
einschließlich der Krebs-Selbsthilfe
• Hilfestellung, Beratung und Unterstützung in individuellen Notfällen
Die Deutsche Krebshilfe ist für Sie da.
Rufen Sie uns an:
Zentrale: 02 28 / 7 29 90 - 0 (Mo bis Fr 8 – 17 Uhr)
Informationsdienst: 02 28 / 7 29 90 - 95 (Mo bis Fr 8 – 17 Uhr)
Härtefonds: 02 28 / 7 29 90 - 94 (Mo bis Do 8.30 – 17 Uhr, Fr 8.30 – 16 Uhr)
Oder schreiben Sie uns:
Deutsche Krebshilfe, Buschstraße 32, 53113 Bonn
E-Mail: [email protected]
Commerzbank AG
Konto Nr. 269 100 000
BLZ 370 800 40
Volksbank Bonn Rhein-Sieg eG
Konto Nr. 2 009 090 013
BLZ 380 601 86
ISSN 0946-4816
118 Prostatakrebs
Spendenkonto 82 82 82
Kreissparkasse Köln
BLZ 370 502 99
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